Jedes Husten, jedes Niesen könnte ein Symptom dieser todbringenden Seuche sein. Die Apotheken sind längst leer gekauft. "Wir haben eine Epidemie, und es gibt nichts, um sich zu schützen", klagt Héctor Rodríguez. Er ist von Apotheke zu Apotheke gelaufen. Gefunden hat er nichts. Keinen Mundschutz, kein Vitamin C, keine Grippemittel, kein Desinfektionsspray. Aus dem Nationalen Institut für Atemwegserkrankungen in Mexiko-Stadt hat ein Dieb 1500 Mundmasken gestohlen. Findige Händler sicherten sich Tausende der gratis verteilten Tapabocas und verscherbeln sie für umgerechnet 3 Euro an der Straßenecke. Ein lukratives Geschäft, auch wenn die Polizei die Händler inzwischen festnimmt.
Bis Sonntagabend sind in Mexiko 81 Menschen an der Grippe gestorben. Bei 20 von ihnen haben die Ärzte den mutierten Schweinegrippeerreger vom Typ H1N1 bereits nachweisen können, bei den anderen warten sie auf die Testergebnisse. Insgesamt könnten 1324 Patienten von der neuen Seuche befallen sein, heißt es offiziell. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht "Potenzial für eine Pandemie", eine übergreifende Ausbreitung der Krankheit über Länder und Kontinente. Verdachtsfälle gibt es bereits auf der ganzen Welt. In den USA sind ebenfalls schon Menschen mit dem Virus infiziert. Weltweit kündigen Regierungen Vorsichtsmaßnahmen an.
Bereits Ende März beobachten die mexikanischen Gesundheitsbehörden ein ungewöhnliches Ansteigen bei der Zahl der Grippeerkrankungen: Sie zählen dreimal mehr Fälle als gewöhnlich. Doch die Beamten halten das für Ausläufer der üblichen Grippewelle, geeignete Tests für den bislang unbekannten Grippestamm haben sie keine. Den ersten Todesfall registrieren sie am 13. April im Bundesstaat Oaxaca. Erst fünf Tage später schicken sie Laborproben in die USA und lassen Gesundheitsinspektoren die Krankenhäuser nach auffälligen Patienten absuchen.