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FTD-Serie: Agenda

Die große Magazingeschichte zu aktuellen Ereignissen.
Merken   Drucken   22.09.2008, 11:47 Schriftgröße: AAA

Agenda: Paulsons Plan

Mit einem Rettungspaket über 700 Mrd. Dollar will Finanzminister Henry Paulson die US-Wirtschaft vor dem Untergang bewahren. An mehreren Fronten kämpft der frühere Investmentbanker für seinen Plan - und häuft dabei gigantische Macht an.
von Matthias Ruch (New York)

Deutlicher hätte Henry Paulson  seine Macht nicht zur Schau stellen können. Seite an Seite mit George W. Bush tritt der Finanzminister Freitag früh in Washington vor die Kameras. In kurzen Sätzen kündigt er den Plan an, mit dem er die größte Volkswirtschaft der Welt aus ihrer schwersten Krise seit 1930 retten will. Er hält das Schicksal Amerikas in seinen Händen. Der Präsident neben ihm - nur noch ein Statist.

In Geheimverhandlungen mit den führenden Bankern und Politikern des Landes treibt Paulson seinen Coup voran. "Es geht um Hunderte von Milliarden Dollar", kündigt er an. Am Samstag nennt die Regierung erstmals eine Zahl: 700 Mrd. $! Mit diesem Geld will sie Hypotheken aufkaufen, die von ihren Besitzern nicht mehr bezahlt werden können. Dazu muss sie die zulässige Obergrenze der Staatsverschuldung von derzeit 10.600 Mrd. $ auf 11.300 Mrd. $ anheben. Beides geht nur per Gesetz.

Paulson drückt aufs Tempo. Noch in dieser Woche soll der Kongress das Gesetz verabschieden. Jeder Tag zählt. Gemeinsam mit Ben Bernanke , dem Chef der Notenbank Fed, legt der frühere Chef der Investmentbank Goldman Sachs die Marschroute fest. Präsident Bush nennt Paulson "My wartime general" und überlässt ihm das Kommando: "Die amerikanische Wirtschaft steht vor beispiellosen Herausforderungen", mahnt Bush staatstragend. "Wir antworten mit beispiellosen Maßnahmen."

Selbst Barack Obama  und John McCain , die sechs Wochen vor der Wahl unermüdlich um den Einzug ins Weiße Haus kämpfen, stehen plötzlich nicht mehr im Mittelpunkt. Was Paulson gerade schafft, schien bislang unmöglich. Mit seinem Pragmatismus setzt er sich über Parteigräben hinweg und bringt Politiker beider Lager zusammen, um der Krise zu trotzen. "An diesem Wochenende handeln wir nicht als Republikaner oder Demokraten", sagt Chris Dodd, Chef des Bankenausschusses im Senat. "An diesem Wochenende sind wir alle Amerikaner." Auch Nancy Pelosi , die Präsidentin des Repräsentantenhauses, fordert in einem Brief an Bush eine parteiübergreifende Initiative. Amerikas Kapitalismus steht auf der Kippe, der Wahlkampf muss warten.

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Der 700-Mrd.-Plan, den Paulson und Bernanke scheinbar aus dem Ärmel gezaubert haben, ist der Höhepunkt einer neuen finanzpolitischen Kehrtwende, die Paulson im März eingeleitet hat. Bear Stearns, die fünfgrößte Investmentbank der USA, war in den Strudel der Finanzkrise geraten. Paulson, der aus seiner Zeit bei Goldman Sachs  über beste Kontakte an die Wall Street verfügt, schaltete sich hinter den Kulissen ein. Kurz darauf folgte der Zwangsverkauf an JP Morgan .

Spätestens mit diesem Deal werden Paulson und Bernanke zum Team. Nur gemeinsam können sie sich über politische Widerstände hinwegsetzen und erreichen, was beide nun für nötig halten. Bernanke, der Denker, und Paulson, der Macher. Ihre nächste, ungleich größere Intervention folgt Anfang September. Den Hypothekenfinanzierern Fannie Mae  und Freddie Mac  droht der Untergang - und Paulson ist zur Stelle. Bis zu 200 Mrd. $ kostet die Verstaatlichung der beiden Häuser. Das freie Spiel der Märkte, für das Paulson als Banker stets gestritten hatte, ist Vergangenheit. "Die USA unter Paulson sind kommunistischer als China", flucht der berühmte Hedge-Fonds-Manager Jim Rogers.

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  • Aus der FTD vom 22.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
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