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Merken   Drucken   25.02.2008, 19:25 Schriftgröße: AAA

Agenda: Putins Präsident

Dossier Dass Dmitri Medwedew am Sonntag mit überwältigender Mehrheit zum neuen russischen Präsidenten gewählt wird, gilt als sicher. Er präsentiert sich als treuer Vasall des Amtsinhabers, doch mächtige Gruppen versuchen, das Duo auseinanderzudividieren. von Andrzej Rybak (Moskau)
Die gewaltigen Kremlmauern erzittern vom Sound der Bassgitarren. Das Leitmotiv des Deep-Purple-Klassikers "Smoke on the Water" hallt durch Russlands Machtkorridore. Dmitri Medwedew , erklärter Fan der Altrocker, strahlt vor kindlicher Freude und hält es kaum in seinem Sessel aus.
Offiziell spielt die Band an diesem kalten Februarabend aus Anlass des 15. Geburtstags von Gazprom, dem mächtigen Energiekonzern. In Wahrheit ist der Auftritt ein Abschiedsgeschenk an den scheidenden Aufsichtsratschef, der sich am kommenden Sonntag anschickt, Russlands neuer Präsident zu werden.
Die achtjährige Regentschaft Wladimir Putins neigt sich dem Ende zu, am 2. März entscheiden die Russen über seinen Nachfolger. Die Wahl ist allerdings reine Formsache: Die Umfragen sehen den 42-jährigen Medwedew mit etwa 75 Prozent der Stimmen vorn. Das ist mehr, als sein Idol Putin je erreichen konnte. Doch wer ist dieser Mann, von dem viele glauben, er sei lediglich eine Marionette in den Händen seines übergroßen Vorgängers?
Politik paarweise: Präsidentschaftskandidat Dmitri Medwedew (r.) ...   Politik paarweise: Präsidentschaftskandidat Dmitri Medwedew (r.) und Amtsinhaber Wladimir Putin posieren auf einem Wahlplakat in Moskau
Ohne Putin, so viel steht fest, wäre Medwedew chancenlos. Der Ex-Geheimdienstler hat die "Operation Machtübergabe" nach altem Moskauer Muster vorbereitet. Formal findet eine Wahl statt, doch die zugelassenen Gegenkandidaten sind kaum mehr als Staffage. "Sie sollen es dem Westen erleichtern, die Augen zu schließen", spottet Viktor Schenderowitsch, ein Schriftsteller und Satiriker.
Und so muss sich Zarewitsch Medwedew nicht einmal dazu herablassen, an TV-Wahldebatten teilzunehmen. Die würden ihn "von der richtigen Arbeit zum Wohle des Volkes" abhalten, argumentiert Wjatscheslaw Wolodin, stellvertretender Leiter des Wahlkampfstabs und geschäftsführender Sekretär der Kremlpartei Einiges Russland. Wozu im Studio diskutieren? Der Kandidat ist ohnehin permanent auf dem Bildschirm präsent: Als amtierender Erster Vizepremier ehrt er Veteranen der Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg, stellt in Krasnojarsk sein Wirtschaftsprogramm vor, fordert im ländlichen Barnaul den Aufbau eines Fernsehsenders für Bauern. Diese Art von Wahlkampf - der die volle Kontrolle der Medien voraussetzt - hat schon Putin mit Erfolg betrieben.
Medwedew versucht bei jeder Gelegenheit, seine Nähe zum populären Amtsinhaber zu demonstrieren. Er beschwört die Richtigkeit des Kurses, den Putin vorgegeben hat, und betont, er wolle das Land gemeinsam mit seinem Vorgänger regieren, den er als Ministerpräsidenten benennen werde. Auf riesigen Wahlplakaten zeigt er sich Seit an Seit mit seinem Mentor. "Medwedew teilt Putins Ansichten und Ideologie", sagt der Moskauer Politologe Sergej Markow. "Für beide gilt: Russland soll groß und stark und europäisch werden, ohne dabei seine Eigenständigkeit einzubüßen."
Es ist die Fortsetzung einer langjährigen gemeinsamen Arbeit. Seit 1991 wirkt Medwedew unter Putin: zunächst als dessen juristischer Beistand und Berater im Bürgermeisteramt in Sankt Petersburg, später als Verwalter im Moskauer Kreml und Aufsichtsratschef von Gazprom . Schließlich kümmert er sich in der Regierung auch um "nationale Projekte" - die Förderung der maroden Landwirtschaft, die Sanierung des Bildungs- und Gesundheitswesens und den kommunalen Wohnungsbau.

Teil 2: "Ein typischer Petersburger Intellektueller"

  • Aus der FTD vom 26.02.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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