Politik paarweise: Präsidentschaftskandidat Dmitri Medwedew (r.) und Amtsinhaber Wladimir Putin posieren auf einem Wahlplakat in Moskau
Ohne Putin, so viel steht fest, wäre Medwedew chancenlos. Der Ex-Geheimdienstler hat die "Operation Machtübergabe" nach altem Moskauer Muster vorbereitet. Formal findet eine Wahl statt, doch die zugelassenen Gegenkandidaten sind kaum mehr als Staffage. "Sie sollen es dem Westen erleichtern, die Augen zu schließen", spottet Viktor Schenderowitsch, ein Schriftsteller und Satiriker.
Und so muss sich Zarewitsch Medwedew nicht einmal dazu herablassen, an TV-Wahldebatten teilzunehmen. Die würden ihn "von der richtigen Arbeit zum Wohle des Volkes" abhalten, argumentiert Wjatscheslaw Wolodin, stellvertretender Leiter des Wahlkampfstabs und geschäftsführender Sekretär der Kremlpartei Einiges Russland. Wozu im Studio diskutieren? Der Kandidat ist ohnehin permanent auf dem Bildschirm präsent: Als amtierender Erster Vizepremier ehrt er Veteranen der Belagerung Leningrads im Zweiten Weltkrieg, stellt in Krasnojarsk sein Wirtschaftsprogramm vor, fordert im ländlichen Barnaul den Aufbau eines Fernsehsenders für Bauern. Diese Art von Wahlkampf - der die volle Kontrolle der Medien voraussetzt - hat schon Putin mit Erfolg betrieben.
Medwedew versucht bei jeder Gelegenheit, seine Nähe zum populären Amtsinhaber zu demonstrieren. Er beschwört die Richtigkeit des Kurses, den Putin vorgegeben hat, und betont, er wolle das Land gemeinsam mit seinem Vorgänger regieren, den er als Ministerpräsidenten benennen werde. Auf riesigen Wahlplakaten zeigt er sich Seit an Seit mit seinem Mentor. "Medwedew teilt Putins Ansichten und Ideologie", sagt der Moskauer Politologe Sergej Markow. "Für beide gilt: Russland soll groß und stark und europäisch werden, ohne dabei seine Eigenständigkeit einzubüßen."
Es ist die Fortsetzung einer langjährigen gemeinsamen Arbeit. Seit 1991 wirkt Medwedew unter Putin: zunächst als dessen juristischer Beistand und Berater im Bürgermeisteramt in Sankt Petersburg, später als Verwalter im Moskauer Kreml und Aufsichtsratschef von
Gazprom . Schließlich kümmert er sich in der Regierung auch um "nationale Projekte" - die Förderung der maroden Landwirtschaft, die Sanierung des Bildungs- und Gesundheitswesens und den kommunalen Wohnungsbau.