Klimagipfel
Die Welt schaut auf Kopenhagen
Sumit Barat verwandelt den Müll anderer Leute in Geld. Sein Unternehmen IL&FS Ecosmart wandelt den Abfall von Okhla in Dünger um - und verhindert so, dass tonnenweise klimaschädliches Methan aus der Halde in die Atmosphäre steigt. Im Gegenzug erhalten die Inder von einer Behörde der Vereinten Nationen Lizenzen zum Ausstoß von Treibhausgasen. Und diese Emissionsrechte geben sie ihrem Geldgeber
RWE weiter. Denn der kann die Zertifikate dringend gebrauchen.
Vor fast fünf Jahren hat die EU den Emissionshandel gestartet. Seither müssen alle Industriebetriebe und Stromversorger in der EU für jede von ihnen ausgestoßene Tonne Kohlendioxid eine Lizenz vorweisen. Haben sie nicht genug dieser Zertifikate, können sie Klimaschutzprojekte in der Dritten Welt finanzieren - und so zusätzliche Emissionsrechte erwerben.
CDM, Clean Development Mechanism, nennt sich dieses Prinzip. Umweltökonomen haben es entworfen, und Firmen wie RWE nutzen es eifrig: 150 Mio. Euro haben die Deutschen in 120 CDM-Projekte weltweit gesteckt. So können sie vergleichsweise günstig Lizenzen generieren, um ihre Kohlekraftwerke weiter zu betreiben. "CDM macht kosteneffizienten Klimaschutz möglich", sagt Ludwig Kons, Leiter Klimaschutzbei RWE Power.
Doch nun steht das System auf der Kippe. Auf der Klimakonferenz in Kopenhagen geraten der Emissionshandel und ganz besonders das CDM-Geschäft immer stärker unter Beschuss. "Eine umfassende Reform ist unumgänglich", fordert selbst die Händlervereinigung IETA. Schließlich läuft das CDM-Geschäft längst nicht überall so reibungslos wie in Okhla.