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Merken   Drucken   15.07.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Rüsten für den Cyberkrieg

Dossier Aus Angst vor Terrorangriffen aus dem Internet investieren die USA Milliarden Dollar in die IT-Verteidigung. Das Wettrüsten für den Cyberkrieg ist inzwischen Chefsache im Weißen Haus - und ein gigantischer Markt. von Sabine Muscat (Washington)
Der Angriff kam am Independence Day, dem Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten von Amerika. Und da der 4. Juli in diesem Jahr auf einen Samstag fiel, bemerkten viele die Attacke erst am Montag darauf. Im Weißen Haus, im Pentagon und im State Department, aber auch an den Börsen Nasdaq  und New York Stock Exchange kämpften Mitarbeiter Anfang vergangener Woche mit dem Onlinezugang ihrer Rechner: Kaum öffneten sie ihre Browser, flogen sie schon wieder aus dem Netz.
Der Angriff aus dem Cyberspace sitzt, die Schaltstellen der Weltmacht - ausgeschaltet und vorgeführt. Und die Hintergründe schüren Ängste: Der südkoreanische Geheimdienst verdächtigt Nordkorea, die zeitgleichen Angriffe auf 14 amerikanische und zwölf südkoreanische Institutionen gesteuert zu haben. Zudem kursiert das Gerücht, auf Tausenden Computern sei nun eine Software installiert, die an einem bestimmten Tag alle Daten auf der Festplatte lösche. Alarmstufe Rot.
Unter der Führung von Präsident Barack Obama errichtet die USA ...   Unter der Führung von Präsident Barack Obama errichtet die USA einen Verteidigungswall gegen Cyberterror
Dabei sind die relativ simplen Angriffe nur ein Vorgeschmack auf den Krieg der Zukunft - den Krieg im Cyberspace. Das Virus, mit dem die 177.000 angreifenden Computer infiziert wurden, ist eine Kopie des Virus Mydoom, das schon 2004 im Umlauf war. Noch weiß niemand, ob tatsächlich Nordkorea hinter der Attacke steckt, ein Land, dessen Bewohner vom Internet abgeschirmt sind und das bis heute nicht einmal eine eigene Länder-IP-Adresse benutzt, sondern seine Internetseiten von chinesischen Servern aus betreibt. Aber es heißt, Diktator Kim Jong-il habe seit Jahren ein Heer von etwa 600 Cyberkriegern ausbilden lassen.
Bislang sind die US-Behörden offenbar nicht in der Lage, sich gegen solchen Terror zu schützen. Doch sie sind längst dabei, einen Verteidigungswall zu errichten - unter Führung ihres Präsidenten Barack Obama .
Die Attacke am Independence Day ist nur eine von mehreren Millionen, die täglich auf Regierungsserver niederprasseln. 360 Millionen Hackerattacken registrierte das Pentagon im vergangenen Jahr, 2006 waren es noch sechs Millionen. Um seine 15.000 Netzwerke zu schützen, hat das Verteidigungsministerium allein in den letzten sechs Monaten mehr als 100 Mio. $ investiert. Verteidigungsminister Robert Gates  ernannte im Juni den Vier-Sterne-General Keith Alexander zum Chef eines neuen Cyberkommandos im US-Militär. Inzwischen gilt der Cyberspace als Domäne der nationalen Sicherheit - wie Land, Wasser, Luft und Weltall.

Teil 2: Potenzielle Feinde sind weit

  • Aus der FTD vom 15.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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