Traurige Bilanz: Der SEC-Chairman Christopher Cox bei einer Sitzung mit Kollegen der US-Börsenaufsicht am 18.12.
Reine AlibiveranstaltungDie Buchprüfung sei eine reine Alibiveranstaltung, warnte schon 2007 der Hedge-Fonds-Berater Aksia. Und das sei nur eines von mehreren alarmierenden Anzeichen, dass bei Madoff nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Aksia appellierte an die Börsenaufsicht SEC, etwas zu unternehmen. Doch die Börsenaufsicht ließ die Dinge treiben.
Und so konnte Madoff Investoren in einem Maße prellen, wie dies in der Geschichte des Finanzbetrugs einmalig ist. Jahrelang zahlte er Scheingewinne aus, gab das Kapital von neuen Anlegern an alte Anleger weiter. Eine Praxis, die nur funktionieren konnte, weil niemand von außen einen kritischen Blick auf die Bilanz warf - eine Bilanz, die schon auf den zweiten Blick mehr als zweifelhaft war: "Die roten Flaggen wehten offen im Wind", sagt John Coffee, Professor an der Columbia Law School.
Man habe sich eben stets auf die freiwillig vorgelegten Zahlen von Madoff verlassen, gab Christopher Cox nun kleinlaut zu Protokoll. Ein erstaunliches Motto für eine Aufsichtsbehörde: Kontrolle ist gut - Vertrauen ist besser. Aksias Warnung interessierte Cox' Leute dabei herzlich wenig.
Und die war nicht mal der erste Weckruf. Seit 1999 seien Mitarbeitern glaubhafte und detaillierte Hinweise über Madoffs Betrügereien zugespielt worden, muss Cox nun zugeben. "Ich bin sehr besorgt über das offensichtliche Versagen über mindestens ein Jahrzehnt hinweg", verteidigte sich Cox zuletzt und kündigte eine interne Untersuchung an. Wahrscheinlich wird das bald auch die Gerichte interessieren.