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Merken   Drucken   18.12.2008, 20:16 Schriftgröße: AAA

Agenda: SEC: Einfluss verloren

Dossier Der Madoff-Skandal hat den Ruf der SEC endgültig ruiniert. Den Chef der einst mächtigen US-Börsenaufsicht hat das nun den Job gekostet. Doch den Niedergang stoppt das nicht - die Behörde wird weiter an Einfluss verlieren. von Sebastian Bräuer (New York)
So wichtig ist die Sache, dass Amerikas zukünftiger Präsident nicht länger zögern kann. Am Donnerstag tritt er vor die Nation, mit ernstem Blick und scharfen Worten. "Dieses Versagen können wir uns nicht leisten", sagt Barack Obama . "Ich werde sicherstellen, dass die Börsenaufsicht von Personen geführt wird, die in der Lage sind, die Gesetze durchzusetzen." Mit anderen Worten: Christopher Cox , seit drei Jahren Chef der SEC, ist gefeuert. Der Aufseher musste am Dienstag zugeben, dass er bei der Kontrolle des Investors Bernard Madoff  über Jahre hinweg versagt hat. 50 Mrd. $ hatte Madoff ergaunert - eine Summe, die den Atem raubt. Ein einmaliger Vorgang in der Geschichte.
Doch der Abgang von Cox ist mehr als eine Personalentscheidung von Obama. Er ist eine Zäsur, markiert das Ende einer Wirtschaftslegende: Über Jahrzehnte hinweg war die SEC eine Instanz, war Vorbild für Aufsichtsbehörden in aller Welt, war geachtet und gefürchtet, die Wall Street und Unternehmen aus aller Welt standen vor ihr stramm. Nun ist sie ein Abklatsch alter Zeiten. Der Abstieg vollzog sich über Jahre. Zuerst leise, zuletzt mit Getöse: Der Absturz von Amerikas Investmentbanken und der Skandal um Madoff haben den Ruf der Behörde endgültig zerstört.
Allein der Fall Madoff ist ein Desaster. Der Milliardenjongleur ließ seine Bilanzen von einem Team kontrollieren, das eher geeignet wäre, die Zahlen zweitklassiger Golfklubs zu prüfen: ein Buchhalter, eine Sekretärin und ein in Florida lebender Partner in den späten 70ern - das war's. Und die SEC vertraute ihm.
Traurige Bilanz: Der SEC-Chairman Christopher Cox bei einer Sitzung ...   Traurige Bilanz: Der SEC-Chairman Christopher Cox bei einer Sitzung mit Kollegen der US-Börsenaufsicht am 18.12.
Reine Alibiveranstaltung
Die Buchprüfung sei eine reine Alibiveranstaltung, warnte schon 2007 der Hedge-Fonds-Berater Aksia. Und das sei nur eines von mehreren alarmierenden Anzeichen, dass bei Madoff nicht alles mit rechten Dingen zugehe. Aksia appellierte an die Börsenaufsicht SEC, etwas zu unternehmen. Doch die Börsenaufsicht ließ die Dinge treiben.
Und so konnte Madoff Investoren in einem Maße prellen, wie dies in der Geschichte des Finanzbetrugs einmalig ist. Jahrelang zahlte er Scheingewinne aus, gab das Kapital von neuen Anlegern an alte Anleger weiter. Eine Praxis, die nur funktionieren konnte, weil niemand von außen einen kritischen Blick auf die Bilanz warf - eine Bilanz, die schon auf den zweiten Blick mehr als zweifelhaft war: "Die roten Flaggen wehten offen im Wind", sagt John Coffee, Professor an der Columbia Law School.
Man habe sich eben stets auf die freiwillig vorgelegten Zahlen von Madoff verlassen, gab Christopher Cox nun kleinlaut zu Protokoll. Ein erstaunliches Motto für eine Aufsichtsbehörde: Kontrolle ist gut - Vertrauen ist besser. Aksias Warnung interessierte Cox' Leute dabei herzlich wenig.
Und die war nicht mal der erste Weckruf. Seit 1999 seien Mitarbeitern glaubhafte und detaillierte Hinweise über Madoffs Betrügereien zugespielt worden, muss Cox nun zugeben. "Ich bin sehr besorgt über das offensichtliche Versagen über mindestens ein Jahrzehnt hinweg", verteidigte sich Cox zuletzt und kündigte eine interne Untersuchung an. Wahrscheinlich wird das bald auch die Gerichte interessieren.

Teil 2: Mauscheleien wahrscheinlich

  • Aus der FTD vom 19.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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