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25.01.2010, 08:30
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Sprengmeister der Wall Street
Späte Genugtuung: Jahrzehntelang wurde der ehemalige Fed-Chef Paul Volcker geschnitten. Er wurde verspottet, seine Ansichten belächelt. Jetzt soll der 82-Jährige für US-Präsident Obama an der Wall Street aufräumen. Er hat nichts zu verlieren.
von Sebastian Bräuer, New York
Paul Volcker hat Warten gelernt. Er ist begeisterter Angler. Und sein Hobby erfordert vor allem eines: extreme Geduld. Oftmals beißt tagelang kein Fisch an. Dann heißt es Ruhe bewahren. Irgendwann wird er schon wieder einen Fisch an Land ziehen, vielleicht einen ganz dicken.
Das Warten hat sich gelohnt. Paul Volcker ist die Rückkehr ins Machtzentrum der Vereinigten Staaten gelungen. Nach mehr als zwei Jahrzehnten, in denen er manche Schmähung ertragen musste. Die Wiederauferstehung des 82-Jährigen ist mehr als ein persönlicher Triumph, es ist eine politische Zäsur. Sie markiert das endgültige Ende der Ära des Laissez-faire-Kapitalismus, eingeleitet von Ex-Präsident Ronald Reagan und Ex-Notenbankchef Alan Greenspan. Sie waren nur zwei der vielen politischen Gegner Volckers, der die US-Notenbank von 1979 bis 1987 leitete. Jahrelang hatten sie die Oberhand, heute sind sie Geschichte. Aber Volcker, der ist wieder da.
Präsident
Barack Obama will das Wall-Street-System in seiner jetzigen Form sprengen. Und Volcker ist sein Sprengmeister. Seit fast einem Jahr fordert Volcker eine Reform, die einer Wiederbelebung des Glass-Steagall Acts aus den 30er-Jahren gleichkäme. Damals, in der Großen Depression, hatte Präsident Franklin D. Roosevelt die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken angeordnet.
Auch Volckers Idealvorstellung ist die Zerschlagung des Bankensystems. Sein Plan: auf der einen Seite streng regulierte Geschäftsbanken, die Kredite vergeben. Auf der anderen Investmentbanken, die auf eigene Faust spekulieren dürfen, aber keine Sparanlagen verwalten - und bei einer Schieflage ihrem Schicksal überlassen werden. Obamas Plan, Banken den Eigenhandel zu verbieten, geht in diese Richtung: Die Wetten auf Zinsen, Währungen, Rohstoffe oder Aktien sind eine wesentliche Einkommensquelle für alle Großbanken. Vielen Instituten drohen schmerzliche Einschnitte, falls die Idee das politische Tauziehen im Kongress übersteht. Der Präsident spricht von der Volcker-Regel.
Paul Volcker
Als Volcker vor gut drei Jahrzehnten zum Fed-Chef gewählt wird, sieht er sich mit der Stagflation der 70er-Jahre konfrontiert - und mit einer Schar von Experten, die sich berufen fühlen, ihm Ratschläge zu erteilen. Robert Auerbach erinnert sich an eine Party in den ersten Amtswochen Volckers. Dem mächtigsten Notenbanker der Welt sei bei dem Cocktailempfang der Kragen geplatzt, sagt Auerbach, damals Mitarbeiter eines Abgeordneten. "Verdammt noch mal, ihr macht mich noch alle verrückt", habe Volcker getobt.
Er lässt sich schon damals nicht beirren. Unter dem Widerspruch zahlreicher Ökonomen nimmt er drastische Maßnahmen vor, um die Inflation zu bekämpfen. 1980 hebt er den US-Leitzins auf schwindelerregende 20 Prozent. Der Preis ist hoch. "Volcker hat die Inflation in den Griff bekommen, aber damit einen Rückfall in die Rezession ausgelöst", sagt Brian Bethune, Finanz-Chefökonom bei IHS Global Insight. Er habe den Anstieg der Arbeitslosigkeit und die damalige Immobilienkrise zu verantworten. Die Fachwelt habe die Ereignisse ohnmächtig zur Kenntnis nehmen müssen: "Wenn er von einer Sache überzeugt war, hat er sie rigoros durchgezogen."
Teil 2: Bewunderung für den Mut
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Aus der FTD vom 25.01.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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