Karte des Nahen Ostens
Muhammad Ali blinzelt in die Wintersonne. Er ist PR-Direktor der Ruinen. Tausende ausländische Besucher hat er schon durch sein Reich in Sichtweite zum "zionistischen Feind" geführt. Auf dem Gipfel des nahen Bergs Hermon, wo Israelis im Winter Ski fahren, steht ein Sendemast der israelischen Armee - der letzte Beobachtungsposten vor dem Eisernen Vorhang des Nahen Ostens.
"Kuneitra soll lebendes Zeugnis sein für israelischen Barbarismus", spult Muhammad Ali seine Standardsätze ab. In seinem dunklen Anzug klettert er durchs halb zerstörte Gebäude des früheren Golan-Krankenhauses, um die "Zerstörungswut der Zionisten" vorzuführen. "Das hier war ein Ort, wo Menschen geheilt wurden", so der PR-Mann weiter. "Aber die Israelis haben ihn in einen Ort verwandelt, an dem sie trainierten, Menschen zu verletzten." Muhammad Alis Stimme bebt, als sei es erst gestern gewesen. "Wir sind die Opfer, Israel ist der Aggressor", schließt er seine Analyse mit erhobenem Zeigefinger ab.
Kuneitra und Damaskus trennen nur anderthalb Stunden Autofahrt. Doch zwischen dem Vertreter der alten syrischen Propagandamaschinerie und dem neuen Kurs der Regierung liegen Lichtjahre. Vom Feindbild Israel will man in der Hauptstadt nichts mehr wissen. Der junge Präsident Baschar al-Assad, der sein Amt vor sieben Jahren von seinem Vater Hafis erbte, ist entschlossen, das Land aus der internationalen Isolation herauszuführen. Trotz des mysteriösen israelischen Angriffs auf eine angebliche syrische Atomanlage im September, der schon einen neuen Krieg befürchten ließ, drängt Syrien sich Israel mit immer neuen Annäherungsversuchen auf. Der Schurkenstaat geht auf Schmusekurs.