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Merken   Drucken   22.07.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Vom Winde verweht

Dossier Dank gigantischer Förderprogramme werden die USA zum weltweit größten Markt für Ökostrom. In den nächsten Jahren verheißt die Energie aus Wind und Sonne lukrative Geschäfte. Doch ausgerechnet die Deutschen drohen diesen Boom zu verpassen. von Matthias Ruch (Bismarck, North Dakota), Mark Krümpel und Claus Hecking (Hamburg)
Träge schleppen sich die schwarzen Angusrinder über die grünen Hügel. Hier können sie laufen, so weit sie wollen, der nächste Zaun ist meilenweit weg. Satte Wiesen, blaue Seen und riesige Wälder, so weit das Auge reicht. Hier in North Dakota sind zwei Dinge endlos: Platz und Wind. Entlang der einsamen Landstraße stemmen sich alte Strommasten seit Jahrzehnten unermüdlich gegen den strammen Wind, der von Kanada aus fast pausenlos über das Land fegt. "Das alles war hier schon immer so", sagt Ryan Taylor. "Nur die Dinger da, die sind neu."
Mit diesen Dingern, an deren Anblick sich der Rinderzüchter auch nach vier Jahren noch nicht so ganz gewöhnen kann, beginnt ganz im Norden der USA eine neue Epoche. "Wir leben bislang von Landwirtschaft, Kohle und Öl", sagt Taylor, der neben seinem Leben als Rancher auch im Senat von North Dakota sitzt. "Jetzt kommen die Windräder dazu." Neue Windmühlen mit insgesamt 5000 Megawatt Leistung will allein North Dakota in den kommenden Jahren bauen. Das Potenzial liegt hier bei 140.000 Megawatt - mehr als irgendwo sonst in den USA. In Deutschland sind derzeit knapp 25.000 Megawatt installiert.
Teile einer Windkraftanlage liegen vor ihrem Aufbau auf einer ...   Teile einer Windkraftanlage liegen vor ihrem Aufbau auf einer Windenergiefarm im US-Bundesstaat Utah
Doch ausgerechnet jetzt, wo die Energiewirtschaft Amerikas vor einem historischen Neuanfang steht, drohen deutsche Hersteller den Anschluss zu verlieren. Dabei haben die hiesigen Anlagenbauer als Pioniere der Windkraft ihre Komponenten bereits vor Jahren mit satten Renditen nach Amerika verkauft. Ihre Qualität und ihre führende Technologie boten ihnen trotz hoher Preise gute Chancen am Markt. Nun aber zögern viele der oftmals mittelständischen Unternehmen, den nächsten Schritt zu tun. Sie lassen sich von noch unklaren Rahmenbedingungen oder der lokalen Konkurrenz schrecken. Statt die Krise zu nutzen, um eigene Niederlassungen in Amerika aufzubauen, warten die Deutschen erst einmal ab. "Der US-Markt wird ein wesentlicher Wachstumstreiber sein", sagt Ralf Bischof, Geschäftsführer des Bundesverbands für Windenergie. "Doch es besteht die Gefahr, dass den Deutschen der Zug in den USA davonfährt."
Mit kräftiger Unterstützung aus Washington bieten Bundesstaaten wie North Dakota, Texas und Kalifornien derzeit besonders gute Chancen auf Wachstum. Insgesamt 65,7 Mrd. $ will Präsident Barack Obama  in den Ausbau erneuerbarer Energien stecken: das größte Cleantech-Förderprogramm aller Zeiten. Nach dem Krisenjahr 2009 bereitet sich die Energiebranche in den USA für das kommende Jahr wieder auf Wachstum vor. "Wir erwarten, dass die Nachfrage nach Windrädern in den USA ab 2010 anzieht, vor allem in der zweiten Jahreshälfte", sagt auch Per Hornung Pedersen, Chef des deutschen Windmühlenbauers Repower . Mit großen Investitionen hält sich sein Unternehmen, das mittlerweile zum indischen Windkonzern Suzlon gehört, dennoch zurück - man habe zu wenig verlässliche Informationen über die Marktentwicklung.

Teil 2: Wie groß das Nachholpotenzial ist

  • Aus der FTD vom 22.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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