John F. Kerry und George W. Bush (von links)
Um es kurz zu machen: John Kerry hat gewonnen. Überraschend vor allem, dass der Herausforderer selbst in der Frage des Irak-Kriegs überzeugender war als der amtierende 43. Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush. "Warum sterben unsere Truppen am Tigris?", lautete die knappe, die Debatte entscheidende Frage. Bush, der irgendwie fahrig, feist und ungebügelt in seinem schlecht sitzenden Anzug wirkte, sagte: "Weil Irak die entscheidende Front im Kampf gegen den Terror ist."
Da lächelte Kerry. Und begann, die kriegerische Außenpolitik seines Kontrahenten erbarmungslos auseinander zu nehmen: "Wir haben ein Land angegriffen, von dem keine Bedrohung ausging. Wir geben Milliarden für einen Krieg aus, der nur von der Terroristenbekämpfung ablenkt. Ein Irrsinn!" Das Publikum jubelte. Kerry war so gut, dass sich danach das schönste Mädchen zu ihm drängte und trotz seiner Akne fragte: "Hey, Luke, könnten wir da noch mal genauer drüber reden?"
So lief die Stellvertreter-Debatte zwischen Bush und Kerry, repräsentiert von zwei Politikstudenten, an der Universität von Miami. Eine wirklichkeitsfremde Generalprobe für die größte Show, die je in der universitären Basketballhalle, dem Convocation Center, stattgefunden hat. Nicht nur wegen ihres Ausgangs. Bei der echten Präsidentschaftsdebatte werden Donnerstagabend die Anzüge perfekt sitzen. Hautunreinheiten werden weggeschminkt. Studenten (bis auf eine Hand voll Streber, die einen Essaywettbewerb gewonnen haben) werden verbannt. Jubel aus dem Publikum wird verboten. Das wichtigste Wahlkampfereignis der nach Meinung von Vizepräsident Dick Cheney "wichtigsten Wahlen der Menschheitsgeschichte", soll nämlich nur einem gefallen: der Fernsehkamera.
Was die Kamera in den ersten 30 Minuten der ersten Präsidentschaftsdebatte einfängt, entscheidet die Wahl. Wer im Fernsehland USA die Zuschauer überzeugt, wird gewählt werden.