Geographische Lage der chinesischen Provinz Guangdong
Seit Wochen sind Fabrikschließungen in Guangdong an der Tagesordnung. Die Provinz wurde von der weltweiten Finanzkrise besonders hart getroffen. Acht Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts werden hier erwirtschaftet und ein Drittel der Exporte. Genau diese Stärke wird der Gegend jetzt zum Verhängnis. Keine andere Region Chinas ist so stark von Ausfuhren abhängig wie Guangdong. Mit dem Abschwung in den USA und Europa sinkt die Nachfrage nach Waren aus der "Fabrik der Welt". Aus der Region am Perlfluss kommen traditionell Spielwaren und Textilien, Lederwaren und simple Elektronikartikel.
"Grundsätzlich sind Zentral- und Nordchina viel stärker diversifiziert als der Süden. Dort war zuletzt auch das Wachstum stärker", sagt Holger Kunz, Geschäftsführer des TÜV Rheinland in Shenzhen, der die Exportwaren im Herkunftsland Sicherheitsprüfungen unterzieht. "Dadurch sind diese Regionen womöglich jetzt besser geschützt."
Lange stand die Provinz im Süden als Modell für Chinas Modernisierung. Hier nahmen Deng Xiaopings Wirtschaftsreformen vor 30 Jahren ihren Anfang. Hier durften zuerst Ausländer investieren. Hier wurden auch die ersten chinesischen Privatbetriebe gegründet. Doch der Vorreiter von einst hat seinen Führungsanspruch eingebüßt: Guandong wird von der Fertigung einfacher Massenwaren wie T-Shirts, Plastikbauklötze und Handtaschen dominiert.
Die Provinzregierung hat schon voriges Jahr einen Strukturwandel eingeleitet und bemüht sich seitdem um die Ansiedlung neuer zukunftsorientierter Branchen wie Pharma, Biotechnologie, IT und Maschinenbau. Die Zentralregierung stützt den Wandel, sie schafft Steueranreize für Exporteure ab, verschärft die Umweltauflagen und das Arbeitsrecht. "Die Maßnahmen sind nicht speziell gegen Guangdong gerichtet", sagt Andy Rothman, China-Stratege beim Brokerhaus CLSA. "Aber die anfälligen Industrien sind vor allem dort angesiedelt."