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02.03.2010, 08:30
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Wie die USA ihre Einwanderer vergraulen
Einst lockten die USA Menschen aus aller Welt. Heute droht dem Land ein Engpass an talentierten Immigranten. Veraltete Vorschriften, übertriebene Sicherheitsvorkehrungen und überlastete Behörden gefährden Amerikas Wettbewerbsfähigkeit.
von David Böcking Minneapolis
Krishna will nicht länger warten. Vor zwei Jahren hat sich der indische Programmierer bei der US-Einwanderungsbehörde um eine Greencard beworben, die dauerhafte Aufenthaltserlaubnis für die USA. Doch die Bearbeitung zögert sich immer weiter hinaus.
Der 34-Jährige gehört eigentlich zu jenen, die man in den Vereinigten Staaten gern aufnimmt: zweifacher Vater, Eigenheimbesitzer, perfektes Englisch. Sein Arbeitgeber, ein Software-Beratungsunternehmen in Minneapolis, würde den Spezialisten auch gern behalten. Nur: Die Zahl der Greencards, die zur Vergabe stehen, ist begrenzt. Es könnte bis zu acht Jahre dauern, bis Krishna an der Reihe ist.
So lange reicht Krishnas Geduld nicht. Zwar kann er sein Visum immer wieder verlängern, darf Arbeitsplatz und Aufenthaltsort jedoch nicht frei wählen. Spätestens 2011 wolle er eine klare Perspektive haben, sagt der Mann im schwarzen Anzug. "Ich muss hier nicht warten", sagt er. "Ich könnte auch zurück nach Hause gehen und dort glücklich leben."
Die USA drohen einen unschätzbaren Wettbewerbsvorteil zu verspielen: den steten Zustrom an hoch qualifizierten Einwanderern. Laut Ökonomen geht rund ein halbes Prozent des jährlichen US-Wachstums auf neu zugewanderte Arbeitskräfte zurück. Besonders wichtig sind sie für die Wissenschaft: Immigranten machen mehr als die Hälfte des Forschungspersonals aus und melden fast ein Viertel der Patente an. Doch die Zahl der neuen Greencards stagniert seit Jahren. Wissenschaftler schlagen bereits Alarm: Falls die USA nicht umsteuerten, warnt eine hochrangig besetzte Arbeitsgruppe des Council on Foreign Relations, würden sie "eine der entscheidenden Grundlagen von Amerikas Wohlstand und Sicherheit beschädigen und könnten das Land international zu einem langen, langsamen Abstieg verdammen."
US-Präsident Obama hat im Wahlkampf eine umfassende Einwanderungsreform versprochen
US-Präsident
Barack Obama hat im Wahlkampf eine umfassende Einwanderungsreform versprochen. Doch erst im Dezember brachte der Demokrat Luis Gutierrez einen Entwurf zur Änderung der US-Einwanderungsgesetze im Kongress ein. Bald will sein Parteifreund Charles Schumer nachlegen, der im Senat das Subkomitee für Immigration leitet. Schumer fordert, das reformierte System müsse "den nächsten Albert Einstein davon überzeugen, dauerhaft in die USA überzusiedeln".
Beim Halbleiterhersteller
Texas Instruments (TI) sehnt man eine Reform herbei. "Wir müssen Ausländer einstellen. Viele Leute verstehen das nicht", sagt Paula Collins, die in Washington den Kontakt zur Regierung hält. Auch Konkurrent Intel ist auf Immigranten angewiesen, besonders auf Programmierer und Bauteile-Entwickler. "Leider finden wir nicht genügend Leute in den USA", sagt Lobbyist Peter Muller. "Dabei geben wir uns wirklich Mühe."
Teil 2: Drei von vier Ingenieurs-Doktortiteln gehen an Ausländer
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Aus der FTD vom 02.03.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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