@Dominik & Michael:
Amazon beruft sich nicht auf amerikanische Spionagegesetze oder was auch immer, sondern auf die eigenen Nutzungsbedingungen, gegen die Wikilieaks offensichtlich verstosse. Ich hab hier die Kündigungsgründe gelesen: http://www.pcwelt.de/news/Statement-Amazon-begruendet-Wikileaks-Sperre-1403742.html
Amazon sagt demnach, es lägen zwei Verstöße vor: 1. lägen die Rechte der Daten offensichtlich nicht bei Wikileaks, und 2. wäre nicht auszuschließen, dass durch die Veröffentlichung Schaden für Menschenleben bestünden.
Was das Thema Datenintegrität anbelangt, falls eine Firma mit dem Staat aneinandergerät: selbstverständlich würde die Polizei genauso ein firmeninternes Rechenzentrum, wie das Rechenzentrum eines beliebigen Hosters durchsuchen, falls ein entsprechender Gerichtsbeschluss vorläge. Ich seh da also weder, dass Amazon die Polizei draussen halten könnte, noch sonst ein hoster ... oder die Firma selbst, falls sie ein eigenes Rechenzentrum betreibt.
Dass Amazon irgendwelche kundeninternen Dienste oder Anwendungen einfach so abschaltet, kann ich mir eigentlich auch nicht vorstellen - die Vertragsklauseln im RZ-Bereich sehen üblicherweise konkrete Verfügbarkeitsrahmen vor, deren Nichteinhaltung mit Schadensersatzforderungen verknüpft ist.
Was ich mit meinem vorigen Beitrag sagen wollte, ist das: es gibt schon seit Jahrzehnten EDV-Dienstleister, die Rechenzentrumsleistung anbieten. Heute wird das Thema meist unter "Cloud Computing" thematisiert, weil sich das so schön anhört, und teilweise ja technisch auch damit zu tun hat. Amazon hat irre Kapazitäten und möchte gerne in diesem Markt von Rechenzentrumsdienstleistungen wachsen.
Bei Wikileaks geht es aber nicht um Cloud Computing im Sinne von Rechenzentrumsdienstleistung. Das wurde in diesem Artikel völlig falsch zusammengewürfelt.
Bei Wikileaks geht es einfach um simples Internethosting, und um eine Infrastruktur, die den sicheren Betrieb dieses Hostings ermöglicht - und hier ist wieder die Rede von Cloud, im Sinne einer verteilten Internet-Hosting-Infrastruktur.
Das hat aber in dem Fall gar nix mit dem Markt zu tun, in dem Amazon wachsen möchte. Wie das in dem Artikel hier behauptet wird.
Also, insofern: der Leitartikel mischt Äpfel mit Birnen. Und deshalb ist auch die Kernthese des Artikels, dass Amazon Vertrauen verspielt, nicht korrekt begründet. Das war es eigentlich, was ich ausdrücken wollte ... wikileaks hin oder her ... ;-)))