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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   09.09.2010, 08:00 Schriftgröße: AAA

Angst vor Double Dip: Kenneth Rogoff - Warum Amerika nicht arbeitet

Die Finanzkrise hat die USA in ein tiefes Loch gestürzt. Um wieder herauszukommen, gibt es kein Wundermittel - nur den langsamen, mühevollen Abbau der globalen Ungleichgewichte.
© Bild: 2010 ftd.de
Kommentar Die Finanzkrise hat die USA in ein tiefes Loch gestürzt. Um wieder herauszukommen, gibt es kein Wundermittel - nur den langsamen, mühevollen Abbau der globalen Ungleichgewichte. von Kenneth Rogoff 
Kenneth Rogoff ist Professor für Volkswirtschaft an der Universität Harvard und ehemaliger Chefökonom des IWF.
Fast zwei Jahre sind seit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers vergangen. Die US-Wirtschaft schleppt sich dahin, die Arbeitslosenquote verharrt bei knapp zehn Prozent, und die Aussichten für eine wesentliche Verbesserung in absehbarer Zeit stehen schlecht. Angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen im Kongress ist es kein Wunder, dass die Amerikaner wütend fragen, warum die aggressiven Konjunkturprogramme der Regierung keine Kehrtwende bewirkt haben. Was kann, wenn überhaupt, noch getan werden?
Die ehrliche Antwort - die allerdings kaum ein Wähler hören will - lautet, dass es keine Wunderwaffe gibt. Es hat über zehn Jahre gedauert, das Loch zu graben, in dem sich die Wirtschaft heute befindet, und es wird einige Zeit dauern, wieder herauszukommen. Carmen Reinhart und ich haben in unserem 2009 erschienenen Buch über acht Jahrhunderte Finanzkrisen (mit dem ironischen Titel "Dieses Mal ist alles anders") gewarnt, dass eine langwierige Erholung mit anhaltend hoher Arbeitslosigkeit in der Folge einer schweren Finanzkrise die Norm ist.
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Warum ist es so schwer, die Beschäftigung nach einer Finanzkrise schnell wieder anzukurbeln? Ein Grund ist, dass das Finanzsystem Zeit braucht, um sich zu regenerieren und den Fluss von Krediten wieder richtig in Gang zu bringen. Gefräßige Finanzungeheuer mit umfangreichen Steuergeldern zu füttern löst nicht das tiefer liegende Problem, eine überschuldete Gesellschaft zu kurieren.
Die Amerikaner dachten, die stetig steigenden Preise ihrer Immobilien würden alle finanziellen Sünden fortwaschen, und nahmen bis zum Gehtnichtmehr Kredite auf. Der Rest der Welt ließ Geld in die USA fließen; es schien, als habe das alles keinen Preis.
Sogar jetzt glauben viele Amerikaner, die simple Lösung für das Problem ihres Landes bestünde darin, einfach die Steuern zu senken und den privaten Verbrauch zu beflügeln. Steuersenkungen sind grundsätzlich nicht schlecht, besonders zur Förderung langfristiger Investitionen. Das Prinzip Steuersenkung birgt allerdings mehrere Probleme.
Zunächst einmal steuert die Staatsverschuldung (die Schulden von Bund und Bundesstaaten zusammen) auf das höchste Defizit seit dem Zweiten Weltkrieg zu. Damals betrug sie 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Einige plädieren leidenschaftlich dafür, sich zum jetzigen Zeitpunkt keine Gedanken über künftige Schuldenprobleme zu machen, doch meiner Ansicht nach verbietet sich das.

Teil 2: Leider ist Keynes kein Allheilmittel

  • FTD.de, 09.09.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 10.09.2010 18:11:54 Uhr   Erich Möller: Ursachen mangelnder Konkurrenzfähigkeit

    Prof. Henkel stellt fest, 44% der deutschen Exportwertschöpfung werden bereits im Ausland erbracht.
    Prof. Miegel stellt fest, deutsches Wirtschaftswachstum ist bereits seit den 1970ern nur noch durchgehend schuldenfinanziert.

    Deutsche "Superkonkurrenzfähigkeit" und die so den Eurowährungsraum sprengenden Außenhandelsüberschüsse werden hauptsächlich durch brutal zurückgefahrene Reallöhne, endlose Arbeitsmarktderegulierung und andauernde Subventionen und Zuschüsse an Unternehmen gegenfinanziert. Summa summarum volkswirtschaftlich völlige Sackgasse.

    Die angeblich so marginalen Defizite zu China sind volkswirtschaftlich nicht so vernachlässigbar wie immer suggeriert, denn makroökonomisch geht’s gar nicht primär um laufende absolute Defizithöhe, die sich beim Lohngefälle bis 15:1 (mit unerschlossenen 700 Mio. Bauern bei 40:1) weder durch rechnerische 50% noch 100%-tige Aufwertung des Yuan in Luft auflöst.
    Es geht zentral um die den Bürgern über Jahre für ihr Wohlwollen und Subventionen vorgegaukelten symbiotischen Riesenchancen des „unendlichen chin. Marktes“, wofür wenige Unternehmen auf dem Rücken der Millionen Beschäftigten durch freizügigen, von Chinesen für Marktzugang immer abverlangten Wissenstransfer, hier ganze Industrien haben volkswirtschaftlich über Klinge springen lassen. (z.B. Solar-Herstellkosten $/W 2008: Ersol-1,01 Solarworld-0,82 Suntech-0,35)

    China: jährlich 900% der Ingenieure der ganzen EU!
    Lt. ind. Berater des Premierministers brauchen nur Indien zum Auffangen des laufenden Bevölkerungswachstums mind. 15 Mio. *neue* Jobs *pro Jahr*!
    Weltbevölkerungsanteil der EU: 1900-33%, 2010-12%, 2100-4%.

    USA merken nun, dass sie sich trotz max. Subventionen für Jahrzehnte durch noch frühere Fertigungsverlagerung/Wissensabfluß nach China einer breiten und schnell erholenden Volljob-Basis komplett beraubt haben. Und genauso läuft auch der langjährige volkswirtschaftliche Crashkurs Deutschlands mit China!

    Obama kündigt nun an, Amerikas Heil umgehend im drastisch eingeschränkten US-Konsum und verdoppelten Exporten zu suchen, da die andauernde Aufhübschung der Arbeitslosenstatistik nicht mehr mit der offenbaren Realität dort (wie hier) zu korrelieren ist!
    In der verzweifelten Situation des alternativlosen „mit dem Rücken an der Wand“ von US/CN/DE/JP werden also weiter verschärfte Exportanstrengunen ohne (nicht weiter mögliche kreditfinanzierte) exzessive Lohnsteigerungen aller bald zwangsläufig zu erbitterten Handelskriegen führen!

    Rest Europas wird deutschen Exportexzess nur dulden, wenn Deutschland über „Rettungspakete“ / „EU-Wirtschaftsregierung“ (dann unter Sarkozy/Junker) die so weiter generierten Ungleichgewichte durch EU-Transfers verdeckt neutralisieren wird.
    Merkel bekommt dafür 2011 den dann wertlosen EZB-Chefposten für Weber.

  • 10.09.2010 09:59:50 Uhr   Thomas Müller: @Redaktion
  • 09.09.2010 17:58:26 Uhr   Alfred Grote: Rogoffs Binsenweisheiten
  • 09.09.2010 14:02:08 Uhr   Alatheia: Englisch???
  • 09.09.2010 10:21:59 Uhr   Benedikt Neumeyer: Englisch?!
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