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Merken   Drucken   12.06.2009, 09:15 Schriftgröße: AAA

Angst vor hohen Preisen: Indiens Weizenspeicher quellen über  

Die protektionistische Agrarpolitik der Vergangenheit stellt die neue indische Regierung jetzt vor große Probleme: Die Kornspeicher sind so prall gefüllt, dass die neue Ernte nicht eingelagert werden kann. von Christiane von Hardenberg (Berlin)
"Wirft die Regierung zu viel Weizen auf den Markt, verfällt der Preis drastisch", sagte Agrarexperte Abdulreza Abbassian von der Welternährungsorganisation FAO in Rom. Ein ähnliches Szenario droht, wenn in den nächsten Monaten die Reisernte eingefahren wird.
Im Frühjahr 2008 waren die Preise für Weizen und Reis aus Sorge vor einer weltweiten Knappheit auf Rekordhöhe geklettert. Die damalige indische Regierung hatte ein Ausfuhrverbot verhängt, um einem Nahrungsmittelengpass vorzubeugen. Das Exportverbot für Basmatireis hatte weltweit für harsche Kritik gesorgt.
Zudem hatte Neu-Delhi die Getreidepreise festgeschrieben, um die Inflation unter Kontrolle zu halten. "Das war zwar gut für die indische Bevölkerung", sagte Abbassian. "Die heimischen und globalen Märkte wurden dadurch aber verzerrt." Auch andere Länder, die im vergangenen Jahr ihre Märkte geschützt haben, könnten in nächster Zeit vor ähnlichen Problemen stehen.
Anfang Mai hatte die indische Regierung rund 20 Millionen Tonnen Weizen eingelagert, 24 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Für die nationale Lebensmittelsicherung sind lediglich vier Millionen Tonnen erforderlich. Selbst mit großzügigen Weizengeschenken an die Ärmsten in der Bevölkerung ist dem Vorrat kaum beizukommen. "Die Regierung muss allmählich anfangen, Weizen auf dem heimischen Markt zu verkaufen", sagte Agrarexperte Abbassian.
Allein: Der derzeitige Preis liegt unter dem garantierten Preis für die Bauern. Der Staat müsste Verluste einfahren. Die Haushaltslage ist jedoch durch die Wirtschaftskrise ohnehin schon angespannt.
"Lagern ist keine Option, denn die Speicher sind randvoll", sagte Abbassian. Die garantierten Preise zu senken, ist aber ebenfalls kein Ausweg: Denn das würde nur zu Unmut unter den Bauern führen.
"Vermutlich wird die neu gewählte Regierung das Exportverbot in den nächsten Wochen aufheben", so Abbassian. Rund zwölf Millionen Tonnen könnten nach Expertenschätzungen dann auf den Weltmarkt gelangen, was den Preis drücken und Neu-Delhi einiges kosten würde. "Die nächsten Monate werden eine große Herausforderung für die indische Regierung."
Die Weizenernte ist jedoch nur ein Testfall für die bevorstehende Ernte von Reis, bei dem die Lage noch heikler ist: Auch hier rechnen die Experten mit Rekordeinfuhren, für die es ebenfalls kaum Lagerflächen gibt. Da Indien einer der größten Reisexporteure weltweit ist, ist sein Einfluss auf den Weltmarktpreis erheblich. "Wenn das Land zu viel Reis auf den globalen Markt bringt und die Preise dadurch fallen, wird Indien dies als erster zu spüren bekommen", sagte FAO-Experte Abbassian.
  • Aus der FTD vom 12.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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