Wirklich? Zurzeit scheinen die Goldfreunde zumindest gute Argumente auf ihrer Seite zu haben. Der Goldpreis ist seit seinem Tiefststand von 252 Dollar je Feinunze im Jahr 1999 auf zuletzt über 1600 Dollar gestiegen. Selbst in Euro gerechnet notiert das gelbe Edelmetall auf Rekordniveau. In der vergangenen Woche gab es dann Meldungen, dass Experten mit einem Anstieg auf 2000 Dollar in den nächsten zwölf Monaten rechneten, und gar auf 5000 Dollar bis 2020. Neueste Umfragen belegen, dass jeder dritte Deutsche darüber nachdenkt, seine Ersparnisse in Gold anzulegen. Aus dem goldenen Hedge für Profis und Gutbetuchte wird ein Volksinvestment - die "Doomsday Currency", die Währung des Jüngsten Gerichts, kommt.
Denn während sich Regierungen und Zentralbanken mit der Schuldenkrise herumschlagen, Geldpolitik zur Rettungspolitik verkommt und Politiker vor Panikmache warnen, nagt halt der Zweifel: Vielleicht sollte man ja doch ein paar Gramm kaufen. Das Zeug hat schließlich einige Tausend Jahre Geschichte zu bieten, als kulturübergreifendes Zahlungsmittel, als Symbol für Reichtum und Wertbeständigkeit, als Anlageform, die nie ihren Glanz und angeblich auch selten ihre Kaufkraft verliert.
Es gibt da nur einen Haken - mal abgesehen vom lauen Argument, dass Gold keine Zinsen abwirft: Das Bild vom sicheren Hafen ist unvollständig. Es fehlen die Verteidigungsanlagen.
Die Goldgläubigen leben ihren Pessimismus - zumindest in der Regel und Gott sei Dank - unvollständig aus. Wer tatsächlich eine so pessimistische Sicht auf die Zukunft hat, dass er glaubt, sich in einer hoch arbeitsteiligen Gesellschaft mit ein paar gehorteten Goldnuggets (oder Zertifikaten) das Ersparte sichern zu können, sollte sich bitte schön auch gleich die passende Waffe zulegen. Mindestens ein Sturmgewehr, um im Falle eines Falles missgünstige Nachbarn zu vertreiben. Oder die Entsandten einer etwaigen Notregierung. Die Geschichte zeigt nämlich, dass sich die anderen - die mit den Keulen - zu wehren wissen und Goldbesitzer sehr schnell ohne Doomsday-Währung dastehen, wenn sich die Politik geldpolitisch in die Ecke gedrängt fühlt.