Das Schlimmste scheint überstanden, in den meisten Industrieländern ist die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs. Doch die Erholung verläuft nicht überall gleich. FTD.de beleuchtet die unterschiedlichen Wege aus der Krise.
Antizyklische Beliebtheitswerte:Obamas Abschwung im Aufschwung
Obwohl die USA-Wirtschaft wieder wächst, sinkt die Beliebtheit des US-Präsidenten auf immer neue Tiefpunkte. Selbst mancher Parteifreund will inzwischen lieber nicht mehr mit dem Chef im Weißen Haus gesehen werden.
von David Böcking
Es ist nicht so, dass Barack Obama keine Anhänger mehr hätte. Am vergangenen Freitag wurde der US-Präsident von Arbeitern in Detroit gefeiert. Dort besuchte er Werke der US-Autokonzerne General Motors und Chrysler, die Washington im vergangenen Jahr mit mehr als 60 Mrd. $ vor dem Untergang bewahrt hatte.
Dankbares Publikum: Obama vor Arbeitern von Chrysler...
Von der alten Stärke sind die Unternehmen zwar weit entfernt, doch mittlerweile verzeichnen sie immerhin wieder steigende Absätze. Sollte GM Ende des Jahres wie geplant zurück an die Börse streben, könnte der Staat seine Anteile an dem Unternehmen wieder nach und nach abstoßen. "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber langsam sehen wir, dass sich einige schwere Entscheidungen gelohnt haben", sagte Obama in Detroit.
Dem Präsidenten aber nützt das nichts. Mit nur noch 44 Prozent erreichten Obamas Zustimmungswerte laut dem Institut Gallup Ende Juli einen neuen Tiefpunkt. Nach unten zeigt auch die Meinungskurve zu Obamas Wirtschaftskompetenz: Allein zwischen Juni und Juli sank sie laut einer Umfrage von CBS News um fünf auf jetzt nur noch 40 Prozent.
...und von General Motors
Den Amerikaner fehlt der Glauben an den Aufschwung. Das liegt offenbar vor allem an Arbeitslosigkeit, die mit fast zehn Prozent für US-Verhältnisse immer noch skandalös hoch ist. Nur 28 Prozent der Befragten glauben, dass sich der Arbeitsmarkt in ihrer Heimat im kommenden Jahr verbessert, doppelt so viele erwarten eine Stagnation. Dabei zeigt zum Beispiel der Job-Creation-Index von Gallup bereits seit Anfang April, dass neue Arbeitsplätze entstehen.
Obama persönlich könnte seine schlechten Umfragewerte vergleichsweise gelassen sehen, schließlich muss er sich erst 2012 um die Wiederwahl bemühen. Doch im November stehen Kongresswahlen an, bei denen die Demokraten ihre Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus zu verlieren drohen.
Die Wirtschaftslage dürfte zum wichtigsten Wahlkampfthema werden. Die Republikaner sind dabei bemüht, Obama als Anhänger eines überbordenden und ineffektiven Staatsinterventionismus darzustellen. Sie verweisen unter anderem auf Prognosen von Obamas Wirtschaftsberatern Christina Romer und Jared Bernstein zum Stimuluspaket. Dank der Staatsmilliarden hätte die Zahl der Jobsuchenden demnach unter acht Prozent bleiben sollen. "Die Wahrheit ist, wir und alle anderen, habe die Wirtschaft falsch eingeschätzt", räumte Vizepräsident Joe Biden mit Blick auf die Prognosen ein.
Mittlerweile wächst unter demokratischen Parteifreunden die Sorge, sich mit Obamas schlechten Umfragwerten anzustecken. Der Präsident hat das offenbar eingesehen. Vergangene Woche aß er mit neun Kongressabgeordneten zu Mittag, die im November um ihre Wiederwahl kämpfen. Dabei soll Obama laut Teilnehmern gesagt haben, er werde alles tun, um die Parteifreunde zu unterstützen. Das könnte auch bedeuten, dass er sich bewusst nicht mit den Kandidaten zeige. "Sie könnten gar nicht wollen, dass ich in ihren Wahlbezirk komme."
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