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Merken   Drucken   20.04.2009, 08:39 Schriftgröße: AAA

Arbeitslosigkeit: Die Rezession ist männlich  

Vor allem Männer haben wegen der Wirtschaftskrise ihren Job verloren. Die Folge: In vielen US-Familien sind Frauen plötzlich die Alleinverdiener. Und die Männer versuchen sich in klassischen Frauenberufen. von Sarah O'Connor
Jetzt reicht es, findet Sherry Davey. Ihr Mann Larry Brush ist gerade zum dritten Mal innerhalb von acht Jahren entlassen worden. Zuletzt hatte er bei der Ratingagentur Fitch gearbeitet, aber jetzt sattelt der 44-Jährige um - auf Krankenpfleger. "Das war's, jetzt ist Schluss", sagt Davey. "Er muss etwas machen, das überhaupt nichts mit der Wall Street zu tun hat."
Seine Kollegen, die weiter Tag für Tag Hypothekenanleihen bewerten, beeindruckt Brush mit der Entscheidung vermutlich nicht. Und doch hat der Wechsel in einen traditionellen Frauenberuf Methode: Es ist die Flucht vor einer Wirtschaftskrise, die sich zur ausgesprochenen Männerrezession entwickelt hat.
Denn Männer dominieren die meisten zyklusabhängigen Industriezweige in Amerika, etwa die verarbeitende Industrie, das Baugewerbe und das Finanzwesen. Diese Branchen haben schon immer stärker gelitten, wenn es der Wirtschaft schlecht ging, aber diesmal trifft es die Männer besonders hart. Von den 5,1 Millionen Stellen, die in den USA seit Beginn der Rezession weggefallen sind, waren fast 80 Prozent mit Männern besetzt. Die Arbeitslosigkeit - in den vergangenen Jahren unabhängig vom Geschlecht bei rund fünf Prozent - ist bei Männern auf 8,8 Prozent hochgeschnellt, bei Frauen sind es sieben Prozent. Die beiden Quoten klaffen so weit auseinander wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1948.
Krisenresistente Branchen
Weitgehend krisenresistent sind dagegen traditionell von Frauen geprägte Branchen wie Bildung und Gesundheit. Die Folge: In Tausenden amerikanischen Haushalten sind auf einmal die Frauen die einzigen Verdiener. "Es ist fast wie bei einer Schneekugel: Die Wirtschaft steht kopf, und alles wird neu durchgemischt", sagt Gary Field von Career Gear. Die Organisation hilft Männern mit geringen Einkommen bei der Arbeitsplatzsuche.
Die neue Rollenverteilung in vielen Familien bedeutet zugleich, dass die Probleme arbeitender Frauen schlagartig auch die Männer betreffen - und zwar existenziell. Frauen werden schlechter bezahlt als Männer und arbeiten häufig in Berufen, die ohnehin unterdurchschnittlich vergütet werden. Oft haben sie Teilzeitstellen, dazu kommt die schlechtere soziale Absicherung. "Viele Frauen haben keine Krankenversicherung", sagt Heidi Hartmann vom Institute for Women's Policy Research.

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