Asiaten halten ihre Energiekosten künstlich niedrig
In vielen asiatischen Ländern legt der Staat die Preise für Diesel, Benzin oder Kerosin fest - unabhängig vom Rohölpreis. In Indonesien etwa werden viele Ölprodukte für nur 20 bis 60 Prozent des Weltmarktpreises an die Verbraucher abgegeben. Auch in Indien und Thailand werden Ölprodukte kräftig subventioniert.
In Indien etwa legt die Regierung fest, in welchem Umfang die Mineralölkonzerne gestiegene Weltmarktpreise an die Konsumenten weitergeben dürfen. Als 2004 etwa der Rohölpreis um 40 Prozent kletterte, durften die Ölkonzerne ihre Preise lediglich um 17 Prozent anheben.
"Weil die Energiepreise in Indien nur mit Verzögerung dem Weltmarktpreis gefolgt sind, treffen auch die negativen Folgen die Wirtschaft nur verzögert", so Indien-Experte Chetan Ahya von der Investmentbank Morgan Stanley. "Die verfügbaren Einkommen werden zunächst nicht belastet, die Konsumenten müssen ihre Verbrauchsgewohnheiten nicht anpassen", sagt der Rohstoffexperte des Hamburger Weltwirtschaftsarchiv, Klaus Matthies.
Subventionen sind gefährlich
Während deshalb in Europa die hohen Energiepreise schon seit Mitte 2004 das Wachstum lähmen, sind die Prognosen für die asiatischen Volkswirtschaften auch für 2005 optimistisch. Für Indien etwa sieht der Internationale Währungsfonds ein Wirtschaftswachstum von 6,7 Prozent, spürbar schneller als im Schnitt der 90er Jahre - und das, obwohl in den Schwellenländern der Anteil der Rohölimporte an der Wirtschaftsleistung höher ist und deshalb der Ölpreis ohne Staatseingriff das Wachstum stärker bremsen würde.
Allerdings ist diese Art der Stabilisierung nicht kostenlos. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) etwa warnt in ihrem jüngsten Konjunkturausblick vor steigenden Staatsdefiziten und Finanzproblemen auf Grund der anhaltenden Subventionierung. Indonesien etwa musste das Subventionsbudget auf zuletzt 6,8 Mrd. $ vervierfachen - rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. "Man hätte das Geld sonst anders ausgeben und damit das Wachstum stützen können", so Matthies. Zudem machen die Subventionen Investitionen in Energie sparende Technologien unattraktiv.
Folgen für den Rest der Welt
Außerdem hat das billige Benzin in Asien Folgen für den Rest der Welt. "Die Asiaten verbrauchen so mehr Energie, als sie es sich sonst leisten könnten", so Matthies. Indonesien etwa, selber Ölproduzent und eigentlich Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Länder, musste zuletzt sogar Rohöl importieren, weil die Nachfrage kräftig wuchs und es technische Probleme bei der Ölförderung gab. "Ohne die Ölsubventionen wäre die globale Nachfrage nach Öl geringer und der Rohölpreis auf den Weltmärkten niedriger", sagt Matthies.
Auch bei anderen Rohstoffen wie Stahl, Kokskohle oder Kupfer sind die Asiaten wenig zimperlich, wenn es um die eigene Versorgungssicherheit und das eigene Wachstum geht. So haben sich chinesische Unternehmen mit staatlicher Unterstützung weltweit in Bergbau- und Energieunternehmen eingekauft - und haben damit Erstzugriffsrecht auf knappe Rohstoffe.
Eberhard Wetting vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung kommt deshalb zu dem Schluss, die "Sicherstellung der Versorgung zu wettbewerbsbestimmten Preisen für alle Verbraucher" sei zunehmend in Frage gestellt. Im Klartext: Deutsche Firmen müssen sich auf Versorgungsengpässe einstellen. Das Fazit des Instituts: Auch in Deutschland sollen Wirtschaft und Regierung über eine "aktive Rohstoffpolitik" und "Beteiligungen deutscher Hütten im ausländischen Bergbau" nachdenken.