Es ist die schlimmste Naturkatastrophe seit Menschengedenken in Japan. Schwere Erdstöße und ein anschließender Tsunami verwüsten weite Landstriche. FTD.de berichtet über das Beben und seine Folgen.
Der verzweifelte Kampf Japans gegen die Folgen des GAU im Atomkraftwerk Fukushima macht kleine Fortschritte. Technikern gelang es, ein Leck zu lokalisieren, aus dem hoch radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer fließt. Nach mehreren gescheiterten Versuchen half offenbar ein Abdichtmittel auf Basis von Flüssigglas, das die Arbeiter in den betreffenden Kanalschacht gegossen hatten. Der Abfluss ließ nach. Das bisher unkontrolliert ins Meer strömende Wasser stammt vermutlich aus Block 2, in dem die Brennstäbe teilweise geschmolzen waren.
Zugleich gab es neue Hiobsbotschaften. Das Nationale Institut für Infektionskrankheiten warnte vor einer Ausbreitung des japanischen Flussfiebers in den Katastrophengebieten. Die sogenannte Tsutsugamushi-Krankheit kann von einer gefährlichen Milbenart ausgelöst werden. Durch Erdrutsche nach dem Erdbeben vom 11. März könnten demnach Schlammmassen mit der Milbe in Gebiete gelangt sein, in denen es zuvor nie einen Ausbruch der Krankheit gegeben hatte. Sie beginnt plötzlich mit Schüttelfrost, Fieber, starken Kopfschmerzen, Bindehautentzündung und geschwollen Lymphknoten und kann Lungenentzündung auslösen.
Im Wasser der kanadischen Stadt Vancouver wurden radioaktive Spuren aus dem Kernkraftwerk Fukushima entdeckt. Allerdings seien die Werte "verschwindend gering", teilten das kanadische Gesundheitsministerium und namhafte Experten in der Pazifikprovinz British Columbia mit. Der Atomforscher Kris Starosta von der Simon-Fraser-Universität in Vancouver sagte: "Der Anteil von radioaktivem Jod-131 im Regenwasser stieg sieben Tage nach dem Reaktorunglück in Fukushima an, ist seitdem aber wieder deutlich gesunken." Ebenso betroffen sei Trinkwasser.
Nach Angaben der Uni trugen Westwinde Partikel des radioaktiven Jod-131 von Japan an die Westküste Nordamerikas. Der Jetstream könnte die radioaktiven Teilchen ins amerikanische Binnenland tragen. Wie die Partikel in die großen Höhen des Jetstreams kommen sollen, kann sich Annette Kirk vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg nicht erklären. Dazu sei eigentlich eine extrem starke Explosion notwendig, sagte sie.
Die japanische Regierung hatte am Montag Atomalarm für den Pazifik geschlagen. Sie befürchtet katastrophale Auswirkungen für den Ozean, wenn verseuchtes Wasser aus dem havarierten AKW Fukushima nonstop ins offene Meer strömt. "Wir müssen die Ausbreitung so bald wie möglich stoppen", hatte Regierungssprecher Yukio Edano gesagt. "Wenn die gegenwärtige Lage mit der Anreicherung radioaktiver Substanzen über lange Zeit anhält, wird es riesige Auswirkungen auf den Ozean haben."
Der AKW-Betreiber Tepco setzte - mit Einwilligung der Regierung - den Abfluss von mehr als zehn Millionen Litern kontaminierten Wassers ins Meer fort. Die Flüssigkeit strahlte nach Angaben des Konzerns relativ schwach. Das Wasser hindert die Arbeiter daran, die Kühlung der Reaktoren in Gang zu bringen. Die Maßnahme sei leider unvermeidlich, sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Nur so könne verhindert werden, dass sich das noch stärker kontaminierte Wasser ausbreite.
Die Regierung in Tokio erließ erstmals eine Obergrenze für die radioaktive Belastung von Fisch. Zuvor waren Berichte aufgetaucht, dass sich bereits Radioaktivität in Fischen angereichert habe. Insbesondere Jod 131 und Cäsium 137, die beide aus dem Atomkraftwerk ins Meer gelangten, seien im Fisch nachweisbar.
Zwar könne sich das Jod im Meerwasser verteilen und zerfalle auch schnell. Anders verhalte es sich aber mit den Langzeitfolgen des Cäsiums, sagte Yoichi Enokida, Professor für Materialwissenschaft an der Nagoya Universität. Diese müssten noch untersucht werden. "Es ist extrem wichtig, so schnell wie möglich den Ausfluss von kontaminiertem Wasser zu stoppen." Radioaktives Cäsium hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren.
Zugleich wurde bekannt, dass der Anteil von radioaktivem Jod im Meerwasser unweit des Atomkraftwerks die gesetzlichen Grenzwerte um mehrere Millionen übersteigt. Am vergangenen Wochenende habe der Wert 7,5 Millionen Mal über dem Maximalwert gelegen, teilte Tepco mit. Am Montag sei der Grenzwert fünf millionenfach überschritten worden. Das radioaktive Material verteile sich jedoch zügig im Meerwasser und stelle keine unmittelbare Gefahr für die Umwelt dar, hieß es in einer Stellungnahme des Unternehmens.
Teil 2: Tepco bietet Entschädigung an