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Merken   Drucken   14.04.2009, 22:31 Schriftgröße: AAA

Atomkonflikt: USA kommen Iran weiter entgegen  

Die USA sind möglicherweise bereit, eine ihrer wichtigsten Bedingungen für direkte Gespräche mit dem Iran fallen zu lassen. Ein neues Angebot könnte Teheran erlauben, mit Washington in Verhandlungen über das iranische Atomprogramm zu treten - ohne seine umstrittene Anreicherung von Uran auszusetzen. von Benjamin Dierks (Berlin)
Diplomaten arbeiten derzeit an einem Angebotsentwurf, der dem Regime vorgelegt werden soll. Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf europäische und amerikanische Regierungsmitarbeiter, dass dem Iran darin "für bestimmte Zeit während der Gespräche" gestattet werden könnte, die Anreicherung fortzusetzen.
Der Verzicht auf ein unmittelbares Ende der Urananreicherung wäre ein bedeutendes Zugeständnis Washingtons. US-Präsident Barack Obama  hatte angekündigt, "ohne Bedingungen" das Gespräch mit dem Iran suchen zu wollen. Der Westen wirft dem Mullah-Regime vor, an dem Bau einer Atombombe zu arbeiten und deshalb auf der dafür nötigen Urananreicherung zu bestehen. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush hatte daher auf deren Aussetzung bestanden. Teheran beteuert hingegen, mit seinem Atomprogramm friedliche Zwecke zu verfolgen.
Bislang stieß der neue Kurs der USA auf geteiltes Echo im Iran. Wiederholt hatten iranische Führer das Angebot Obamas mit dem Hinweis zurückgewiesen, dass man Taten sehen wolle. Der mögliche Schritt der USA könnte Teheran nun ein Argument nehmen, mit dem es konkrete Antworten verweigerte. Der Verzicht auf den Anreicherungsstopp könne dem US-Angebot aus iranischer Sicht "Substanz verleihen", sagte ein westlicher Diplomat der FTD. Zudem sei es für den Iran leichter, in Verhandlungen einzusteigen, wenn ihm keine Fristen gesetzt würden.
US-Regierungsvertreter sagten, Washington verlange nach wie vor vom Iran, die Urananreicherung zu beenden. Ein solcher Schritt wird in mehreren Resolutionen des Weltsicherheitsrats gefordert.
Auch die Sechsergruppe - bestehend aus den Ratsmitgliedern China, Russland, USA, Großbritannien und Frankreich sowie Deutschland - wählt jedoch derzeit zurückhaltendere Formulierungen. In der letzten Woche rief sie den Iran auf, "das Vertrauen in die ausschließlich friedliche Natur seiner nuklearen Aktivitäten wiederherzustellen".
Der Präsidentschaftskandidat des iranischen Reformlagers, Mirhossein Mussawi, schien sich dieser Wortwahl anzupassen. Er werde sich im Fall seiner Wahl dafür einsetzen, dass dem Westen "Garantien" für die Friedlichkeit des Atomprogramms gegeben würden, sagte er der Financial Times. Ein Ende der Anreicherung schloss er aus.
"Es gibt keinen Platz mehr für die Idee, die Anreicherung in den Verhandlungen mit den globalen Kräften zu unterbrechen", sagte Alaeddin Borujerdi, Chef des iranischen Parlamentsausschusses für nationale Sicherheit und Außenpolitik. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte Ende vergangener Woche eine Anlage für die Herstellung atomarer Brennstäbe eingeweiht und verkündet, der Iran verfüge nun über die Technik für den gesamten atomaren Kreislauf.
  • Aus der FTD vom 15.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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