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Merken   Drucken   16.02.2009, 11:55 Schriftgröße: AAA

Auflagen des IWF: Ukraine vor schwerer Währungskrise  

Die Alarmsignale in der Ukraine werden immer lauter. Die Landeswährung Griwna ist im freien Fall - und die Bonität sinkt beständig. von André Kühnlenz (Frankfurt)
"Wir erwarten eine verstärkte Währungsschwäche und sehen ein wachsendes Risiko, dass die Regierung die Zahlungsunfähigkeit erklären muss", schrieben die Analysten der Danske Bank am Wochenende. Vor allem wenn die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) scheitern und das Land Hilfe von seinem politisch ungeliebten Nachbarn Russland in Anspruch nehmen sollte, könnten nach Ansicht von Bankanalysten weitere westliche Hilfen ausbleiben.
Die Unsicherheit über die Stabilität des Landes ist derzeit sehr groß. So verlor die ukrainische Währung Griwna allein am Freitag zwei Prozent. Ein Euro kostete zum Wochenschluss 10,50 Griwna. In der Spitze mussten Anleger in diesem Jahr aber schon 11,75 Griwna hinlegen.
Sollten sich Regierung und IWF in den kommenden Wochen nicht über weitere Hilfszahlungen einigen, könne dem osteuropäischen Land eine schwere Währungs- und Bankenkrise bevorstehen. Davon zeigten sich die Experten der Ratingagentur Fitch überzeugt, die am Donnerstagabend die Kreditwürdigkeit des Landes von "B+" auf "B" herabsetzten.
Die Ukraine hat in den vergangenen Jahren enorme Schulden im Ausland angehäuft. Gleichzeitig hat sie nur relativ wenige Devisenreserven angesammelt, die gegen einen Währungsverfall helfen könnten. Auf den Märkten für Kreditausfallversicherungen müssen Anleger mit einer der höchsten Prämien für das Risiko zahlen, dass der Staat seine Schulden nicht mehr begleichen kann.
Der IWF fordert von Kiew unter anderem einen ausgeglichenen Staatshaushalt als Bedingung für weitere Kreditauszahlungen. Der Weltwährungsfonds hatte der Ukraine im Herbst 16,4 Mrd. $ in Aussicht gestellt, wovon erst 4,5 Mrd. $ geflossen sind. Allerdings dürften in diesem Jahr wohl nur sehr wenige Länder einen ausgeglichenen oder positiven Staatshaushalt aufweisen.
Rücktritt des Finanzministers
Kiew plant dagegen dieses Jahr ein Defizit von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Finanzminister Viktor Pynsenyk war am Donnerstag zurückgetreten, weil er sich mit Ministerpräsidentin Julia Timoschenko über die Ausgabenkürzungen zerstritten hatte. "Timoschenko will natürlich nicht die Sozialausgaben kürzen, wie es der IWF gefordert hatte", sagte Maryan Zablotskyy, Experte der österreichischen Erste Bank in der ukrainischen Hauptstadt.
Deswegen wende sich die Regierung nun weiter ostwärts um Hilfe: Kiew hat bereits eine vorläufige Zusage für einen Notkredit aus Moskau von 5 Mrd. $ bekommen.
Timoschenko hatte jüngst in der Financial Times Deutschland vom Westen mehr Engagement für die Rettung des Landes gefordert. Auch sind die Verhandlungen mit dem IWF noch nicht gescheitert, sondern nur auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.
Analysten in den Bankhäusern sehen in einer Einigung mit dem IWF den einzigen Weg für die Ukraine, um eine schwere Krise abzuwenden. "Mit einem Kredit aus Russland drohen sich die ökonomischen Probleme zu verschärfen und weitere Hilfen des IWF auszubleiben", sagte Zablotskyy. Außerdem könnte die Ukraine an Selbstständigkeit einbüßen. So soll Russland seine Kreditzusage an weitreichende Bedingungen geknüpft haben. Wenn das IWF-Programm komplett ausgesetzt wird, könnten auch Hilfen etwa von der Weltbank gestrichen werden, heißt es bei der Wiener Raiffeisenbank.
Seit dem Sommer hatte die Griwna bereits 36 Prozent verloren. Zum Minus am vergangenen Freitag trug auch noch bei, dass die Ratingagentur Fitch die Bonität gleich von neun ukrainischen Banken und vielen weiteren Unternehmen herabstufte.
  • Aus der FTD vom 16.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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