Doch ein Beispiel war es auch für die noch stehenden Alleinherrscher - und mehr noch Warnung: Wer dem Treiben zu lange zu wohlwollend zusieht, so die Lehre in der Diktatorenlogik, der verliert die Kontrolle. Wer also nicht fallen will, fahre lieber von Anfang an die harte Schiene.
Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi hat das offenbar verinnerlicht. Schafft er es, den Aufruhr mit Brutalität abzuwürgen, wäre dies das blutige Gegenbeispiel zu Ägypten. Das Bild der arabischen Potentaten, die fallen wie Dominosteine, bekäme einen bösen Knacks.
Die Verantwortlichen in Europa dürften es in dem Fall nicht bei Lippenbekenntnissen und halbherzigem Protest belassen. Sie würden all jene verraten, denen sie gerade noch Unterstützung zugesagt hatten.
Sicher, ein aufstandsbekämpfender Gaddafi dürfte sich wenig scheren um die Einwände der Partner im Norden. Zumal diese sich auch bislang wenig interessiert haben für die Not der Bevölkerung. Libyen war vor allem als Rohstofflieferant wichtig, als Sicherheitsgarant und als Bollwerk gegen Flüchtlinge aus Afrika.
Will die EU glaubwürdig sein, darf nicht mehr allein dies ihr Handeln bestimmen. Dann muss Demokratisierung künftig klarer Bestandteil europäischer Interessenpolitik sein - auch wenn es ungemütlich wird.