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Merken   Drucken   26.05.2012, 14:49 Schriftgröße: AAA

Aufstand gegen Assad: Angeblich über 100 Tote bei Massaker in Syrien

Bombardiert von der Artillerie, gejagt von regimetreuen Freischärlern: Bis zu 110 Menschen, die Hälfte Kinder, sollen nach Oppositions-Angaben in der syrischen Stadt al-Hula ums Leben gekommen sein. Frankreichs Außenminister kritisiert die Tat als "Verbrechen eines mörderischen Regimes."
© Bild: 2012 AFP/HO
Bombardiert von der Artillerie, gejagt von regimetreuen Freischärlern: Bis zu 110 Menschen, die Hälfte Kinder, sollen nach Oppositions-Angaben in der syrischen Stadt al-Hula ums Leben gekommen sein. Frankreichs Außenminister kritisiert die Tat als "Verbrechen eines mörderischen Regimes."

Bei einem Massaker der Regierungstruppen in der syrischen Stadt al-Hula sind am Freitag nach Oppositionsangaben 110 Zivilisten getötet worden. Die Hälfte der Opfer seien Kinder gewesen, teilte der oppositionelle Syrische Nationalrat am Samstag mit. Die Menschen seien entweder beim Artilleriebeschuss der Stadt in der Provinz Homs gestorben oder anschließend von regimetreuen Freischärlern getötet worden, die im Feuerschutz der Truppen von Haus zu Haus gegangen seien. Am Freitag hatten die Oppositionellen noch von 50 Opfern gesprochen.

Einberufung des Uno-Sicherheitsrats gefordert

Überlebende seien in Massen aus al-Hula ins Landesinnere geflohen, teilte die in Großbritannien ansässige syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit. Die Nachrichten konnten wegen der Medienblockade des Regimes nicht überprüft werden. Es ist zudem unklar, woher die Beobachtungsstelle für Menschenrechte ihre Informationen bezieht. Sie ist Medienberichten zufolge eine Ein-Mann-Organisation.

Sollten sich die Berichte bestätigen, so wäre dies das schlimmste Blutbad an Zivilisten an einem Ort seit Monaten in Syrien. Der Syrische Nationalrat forderte die Einberufung des Uno-Sicherheitsrats, um die Verantwortlichen für das angebliche Massaker festzustellen. Die Gegner des Regimes berichteten außerdem von 21 weiteren Todesopfern von Gewalttaten in anderen syrischen Orten.

Assad gefährdet Mobilität der Region

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London teilte mit, syrische Truppen hätten am Freitag in der nördlichen Großstadt Aleppo mit scharfer Munition auf friedliche Demonstranten geschossen. Mindestens ein Kundgebungsteilnehmer sei gestorben, zahlreiche weitere verletzt worden. In Aleppo sollen Zehntausende auf die Straße gegangen sein, um gegen die Regierung zu demonstrieren.

Nach Informationen der sogenannten Revolutionskomitees ist zudem ein Schiff mit russischen Waffen und Munition für die Truppen Assads auf dem Weg zum syrischen Hafen Tartus. In Diskussionsforen der Aktivisten hieß es, die "Professor Katsman" fahre unter russischer Flagge. Die Türkei hatte zuletzt nach einer ähnlichen Warnung ein Frachtschiff auf dem Weg nach Syrien gestoppt und durchsucht. An Bord wurden damals jedoch nach offiziellen Angaben keine Waffen entdeckt. Russland ist neben dem Iran der wichtigste Partner Assads.

Der französische Außenminister Laurent Fabius reagierte auf die Berichte über das Massaker mit scharfer Kritik am Assad-Regime. "Mit diesen neuen Verbrechen treibt das mörderische Regime Syrien noch tiefer in das Entsetzen und gefährdet die Stabilität der Region", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Angesichts dieses Grauens sollte sich die internationale Gemeinschaft stärker engagieren, um das Martyrium des syrischen Volkes zu beenden. Fabius will umgehend Kontakte aufnehmen, um in Paris eine Sitzung der Gruppe der Freunde des syrischen Volkes einzuberufen, die mehr als 60 Staaten und internationale Organisationen umfasst. Die Gruppe wurde im Februar dieses Jahres in Tunis gegründet.

Schon mehr als 10.000 Tote

Sondervermittler Kofi Annan wird nach Angaben der Vereinten Nationen "demnächst" wieder nach Syrien aufbrechen. Der Beauftragte von Uno und Arabischer Liga wolle direkte Gespräche mit den Behörden des Regimes führen, sagte Uno-Sprecher Martin Nesirky am Freitag in New York. Annan werde auch mit der Opposition reden. Zudem wolle der frühere Uno-Generalsekretär mit den Anrainerstaaten über die Krise sprechen.

Im April waren Beobachter der Vereinten Nationen als Teil des Annan-Friedensplanes nach Syrien geschickt worden. Sie sollen eine Waffenruhe überwachen, die bisher nur auf dem Papier existiert. "Es ist nun Zeit, dass sich der Sondervermittler persönlich in die Gespräche mit Regierung und Opposition einschaltet", sagte Uno-Sprecher Nesirky. Wann Annan aufbricht und welche Länder er bereist, wollte Nesirky aus Sicherheitsgründen nicht sagen.

In Syrien unterdrückt das Regime von Präsident Baschar al-Assad seit fast 15 Monaten mit brutaler Gewalt eine anfangs friedliche Protestbewegung, die inzwischen stellenweise in einen bewaffneten Aufstand umgeschlagen ist. Nach Uno-Angaben sind bisher mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen.

  • dpa, 26.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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