Transafrikanische Highways
Die Infrastruktur ist das Sorgenkind des Schwarzen Kontinents, die Wirtschaft wächst so mit angezogener Handbremse: Fehlende Infrastruktur dämpft das Wachstum um zwei Prozent, die Produktivität um 40 Prozent. "Um asiatisches Niveau zu erreichen, muss Afrika zehn Jahre lang 930 Mrd. Dollar für Infrastruktur aufbringen", schätzt Weltbank-Ökonomin Vivien Foster.
Ein Fünftel davon müsste in den Ausbau der Verkehrswege fließen. Das innerafrikanische Handelsvolumen könnte sich in 15 Jahren um 250 Mrd. Dollar verdoppeln, wenn mit nur 20 Mrd. Dollar alle Städte mit mehr als einer halben Million Einwohner verlinkt würden.
Jeder zweite Unternehmer in Afrika macht die schlechten Verkehrswege für den schleppenden Aufstieg der Privatwirtschaft verantwortlich. Wären sie mobiler auf dem Landweg, den 90 Prozent aller Güter nehmen, könnten Betriebe in der Verarbeitung und Landwirtschaft expandieren. Stattdessen stoßen sie an Grenzen kleiner fragmentierter Märkte. Die sind nur überwindbar, wenn die Gewinnspanne groß genug ist, um hohe Kosten zu decken. Gebraucht werden Highways to Heaven.
Rund ein Viertel von Afrikas Straßen sind heute asphaltiert, doppelt so viel wie noch Ende der 90er-Jahre. Strategische Fernkorridore, die Hinterland und Häfen verbinden, umfassen erst 45.000 Kilometer. Ein belastbares Netz aber, das diesen Namen auch verdient, bräuchte 100.000 Kilometer, sagen Experten. "Es fehlt so etwas wie eine panafrikanische Autobahnbehörde, die über Investitionen entscheidet, um die Lücken zu schließen", sagt Todd Moss vom US-Center for Global Development (CGD). Aber es gibt Fortschritte.
Chinesen, Inder und Brasilianer bauen Verkehrswege da aus, wo sie Rohstoffe erschließen und Fabriken bauen. 2009 stellte die Weltbank fest, dass Afrika jährlich 45 Mrd. Dollar für Infrastruktur ausgibt: zwei Drittel staatliches, ein Drittel privates Geld - vor allem aus Schwellenländern. Ins Straßennetz steckt ein Land durchschnittlich zwei Prozent des BIPs.