Die Finanzkrise führt zu schweren Erschütterungen an den Börsen. Von New York aus greifen die Schockwellen nach Asien genauso aus wie nach Europa. FTD.de bündelt die Reaktionen an den Weltmärkten.
Die rasche Aufwertung des japanischen Yen wird zunehmend zu einem internationalen Problem. In einer außergewöhnlichen Stellungnahme gaben die G7 - die sieben führenden Industriestaaten - ihren Ängsten Ausdruck. "Wir sind über die exzessiven Schwankungen beim Yen und deren negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität besorgt. Wir werden die Märkte weiterhin genau beobachten und zusammenarbeiten, sofern es notwendig ist."
Der Yen kletterte im Zuge der Kreditkrise gegenüber dem Dollar auf den höchsten Stand seit 13 Jahren. Derzeit kostet der Greenback 93,17 Yen, der Euro 116 Yen. Seit Jahresbeginn legte die japanische Valuta um 16,7 Prozent zum Dollar und 28,9 Prozent zum Euro zu. Der Hauptgrund: Die Rückabwicklung von "Carry-Trades". Dabei verschuldeten sich Investoren wie Hedge-Fonds in Niedrigzinswährungen wie dem Yen oder dem schweizerischen Franken und legten ihr Kapital höher rentierlich im Ausland an. Wegen des Einbruchs an den Börsen weltweit und der verschärften Kreditvergabe der Banken sinkt der Risikoappettit. In Folge werden Carry Trades aufgelöst. Die Investoren kaufen also Yen, um ihre Schulden zurückzahlen zu können, was die japanische Devise enorm verteuert.
Eine rasche Aufwertung des Yen ist einerseits ein Problem für Finanzinvestoren weltweit. Aufsichtsbehörden und Marktteilnehmer fürchten eine Serie von Zahlungsausfällen. Andererseits leidet auch Japan darunter. Nicht nur ist die Börse im freien Fall: Schon jetzt schrumpft die Volkswirtschaft, was auf rückläufige Exporte wegen des hohen Wechselkurses zurückzuführen ist.
Im zweiten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt auf das Jahr hochgerechnet um 3,0 Prozent. Volkswirte rechnen damit, dass sich der Trend in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt: "Die japanische Wirtschaft wird sich bis Ende des Jahres noch weiter abkühlen. Allerdings wird die Rezession nicht ganz so hart ausfallen, wie in der Vergangenheit", sagte Hirochimi Shirakawa, Chefvolkswirt Japan bei Credit Suisse.
Tokio will gegensteuern. Angesichts der Kurseinbrüche an der Börse beauftragte Regierungschef Taro Aso am Montag seine Regierung mit der unverzüglichen Ausarbeitung von Plänen zur Stabilisierung des Marktes beauftragt. Die wichtigste Neuerung: Statt 2000 Mrd. Yen (rund 17 Mrd. Euro) soll die Obergrenze der staatlichen Finanzspritzen für angeschlagene Banken jetzt 10.000 Mrd. Yen betragen. Das berichteten japanische Medien.
Der Nikkei fiel am Montag auf ein 26-Jahrestief. Nach einer Stabilisierung im frühen Handel ging der Index mit einem Verlust von 486 Punkten oder 6,3 Prozent aus dem Handel und rutschte auf 7162 Zähler.
Die japanische Regierung hatte dem Parlament zuvor einen Gesetzesentwurf zur Wiederaufnahme öffentlicher Finanzspritzen vorgelegt. Ein entsprechendes Rekapitalisierungsgesetz war erst im März ausgelaufen und soll jetzt wieder aufgelegt werden. Es ermöglicht dem Staat, den Regionalbanken bei der Stärkung ihrer Kapitalbasis zu helfen, um kleineren und mittleren Unternehmen die Finanzierung zu erleichtern. In jüngster Zeit war es zu einer Pleiteserie in der Immobilienbranche gekommen. Sie trifft vor allem Regionalbanken.
Aber auch die japanischen Großbanken wappnen sich gegen die Krise - und erhöhen ihre Kapitalpuffer. Als erstes Institut kündigte Mitsubishi UFJ Financial Group eine Kapitalerhöhung um 990 Mrd. Yen an. Die Bank befindet sich derzeit auf Expansionskurs und erwarb zuletzt am Wall-Street-Haus Morgan Stanley für 9 Mrd. $ einen Anteil von 21 Prozent. Experten rechnen nun damit, dass auch die Rivalen Mizuho Financial und Sumitomo Mitsui Financial Group ähnliche Schritte unternehmen. Beide Häuser lehnten einen Kommentar ab.
Zu den weiteren Aktionen der Regierung gehören verschärfte Vorschriften gegen sogenannte Leerverkäufe von Aktien. Das sind Verkäufe von Wertpapieren, die der Händler zum Zeitpunkt der Veräußerung noch nicht besitzt. Er profitiert dann von dem Leerverkauf, wenn der verkaufte Wert im Preis sinkt. Solche Geschäfte werden als ein Faktor hinter den jüngsten Kursrückgängen gesehen. Premier Aso hat laut Medien ferner angeregt, die Anforderungen für das Eigenkapital der in Japan operierenden Banken zu lockern.
Teil 2: Intervenieren die Japaner auf dem Währungsmarkt?