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15.01.2011, 13:26
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Banden, Schüsse, Gewalt:
Tunesien versinkt im Chaos
Interimspräsident Ghannouchi hält sich keine 24 Stunden an der Macht. Parlamentschef Mbazaa löst ihn ab. Nach der Flucht des bisherigen Machthabers Ben Ali ist das Land immer noch in Aufruhr - bei einem Gefängnisbrand sterben Dutzende Menschen.
In Tunesien ist nach nur einem Tag ein neuer Übergangspräsident ernannt worden. Nach der Flucht von Präsident Ben Ali ins saudische Exil hatte zunächst Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi am Freitag die Amtsgeschäfte übernommen. Am Samstag ernannte der Verfassungsrat nun den 77-jährigen Foued Mbazaa zum Interimspräsidenten. Die Ernennung des bisherigen Parlamentspräsidenten wurde im Staatsfernsehen bekanntgegeben. Mbazaa soll Neuwahlen vorbereiten.
Ein massives Militäraufgebot versuchte am Samstag, in den Straßen der Hauptstadt Tunis für Ruhe zu sorgen. Mehrere hundert Soldaten errichteten in der Innenstadt Straßensperren und blockierten mit Panzern den Zugang zur Hauptdurchgangsstraße Bourgiba Avenue, wo es am Freitag zu schweren Unruhen gekommen war.
Bei einem Gefängnisbrand in der tunesischen Stadt Monastir sind nach ersten Informationen mehrere Dutzend Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Opfer liege bei mehr als 40 Toten, berichteten Mediziner der Nachrichtenagentur dpa. Unklar blieb, wie das Feuer ausgebrochen war.
Anhaltende Proteste
Protestwelle überrollt Tunesien
Marodierende Banden zogen nach Angaben von Einwohnern durch die Stadt, setzten Gebäude in Brand, plünderten und griffen Menschen an. Ein Armeehubschrauber kreiste über den Straßen der Innenstadt, die noch immer mit den Trümmern der Ausschreitungen am Freitag übersäht waren.
Als dramatischer Höhepunkt nach wochenlangen Protesten gegen seine über 23-jährige autokratische Herrschaft war Präsident Zine al-Abidine Ben Ali am Freitag nach Saudi-Arabien geflohen. In einer Erklärung des saudischen des Königspalastes hieß es, man begrüße die "Ankunft von Präsident Zine l Abidine Ben Ali und seiner Familie". Die Entscheidung, ihm die Einreise zu erlauben, sei mit Blick auf die "außergewöhnlichen Umstände" getroffen worden, die das tunesische Volk gerade durchmache. Man wünsche den Menschen in Tunesien Frieden und Sicherheit.
Tunesiens Ex-Staatschef Zine el Abidine Ben Ali
Ben Ali hatte nach französischen Medienberichten zuvor versucht, in Paris zu landen. Die französische Regierung habe ihn aber nicht einreisen lassen wollen, berichtete die Zeitung "Le Monde".
Vor seiner Flucht hatte der autoritäre Herrscher noch den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt. Die Unruhen im Land gingen aber auch in der Nacht zum Samstag weiter. Kriminelle Banden hätten von dem Chaos profitiert und Geschäfte geplündert, sagte der Oppositionspolitiker Mustafa Ben Jaafar dem Sender France Info. In Stadtteilen, in denen viele Arbeiter leben, verteidigten Anwohner ihren Besitz gegen Plünderer mit Messern und Metallstangen.
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FTD.de, 15.01.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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