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Merken   Drucken   19.10.2011, 10:52 Schriftgröße: AAA

Bankenkrise: Warum Zocker mit Staatsgeld absichern?

Kommentar Die Banken sind nicht wegen Griechenland in der Krise. Sie haben sich nur wieder auf die Spekulation gestürzt. Höchste Zeit, sie auf ihr klassisches Kerngeschäft zu beschränken. von Heiner Flassbeck
Heiner Flassbeck ist Chefvolkswirt bei der Uno-Organisation für Welthandel und Entwicklung (Unctad).

Es ist schon irgendwo zwischen tragikomisch und grotesk, in diesen Tagen fällt eine neue "Bankenkrise" vom Himmel, und alle "sachverständigen" Beobachter schließen haarscharf, es könnten nur die Vorboten der Griechenland-Pleite sein, die europäische Banken ins Wanken bringen. Dumm nur, dass auch die chinesische Regierung sich zur Rettung von chinesischen Banken gezwungen sieht, und die halten bekanntlich nur wenige griechische Anleihen.
Heiner Flassbeck   Heiner Flassbeck
Auch unsere Politiker verstehen offenbar nicht, was da geschieht, sonst würde ja mal einer versuchen, dem staunenden Publikum zu erklären, wieso man, drei Jahre nach der Lehmann-Pleite und ohne dass etwas ganz Außergewöhnliches geschehen ist, wieder zur Bankenrettung schreitet.
Allerdings ist etwas geschehen, nur ist das weder außergewöhnlich, noch hat es mit Griechenland zu tun. Seit dem Sommer sind nämlich all die Geschäfte zusammengekracht, mit denen sich unsere Banken mangels anderer Betätigungsmöglichkeiten über Wasser halten, um die schönen Boni zu rechtfertigen.
Die Sparte der Investmentbanker, also der zockende Teil unseres Bankensystems, macht ebenso wie viele Hedge-Fonds massive Verluste, weil die Preise an den Aktien-, den Rohstoff- und den spekulativ aufgeblähten Währungsmärkten in den Keller gegangen sind. Weil alle Anleger Angst vor einer neuen Weltrezession haben, haben sie ihre riskanteren Engagements heruntergefahren. Da das immer in panikartigen Fluchten geschieht, sind auch viele Profis zu spät ausgestiegen. Und weil sie wissen, dass das in den kommenden Quartalsergebnissen deutlich sichtbar werden wird, leihen sie sich untereinander kein Geld mehr und verkaufen ihre Bankaktien.
Politik fuchtelt herum
Das kommt dann bei der Politik als Bankenkrise an, weil die Europäische Zentralbank davon berichtet, dass die Banken viel mehr kurzfristige Einlagen als vorher bei ihr halten, obwohl das nicht sehr lukrativ ist. Weil die Politik aber schon 2008 nicht verstanden hatte, was die Bankenkrise war, fuchtelt sie wieder wild mit höheren Eigenkapitalanforderungen herum, die im Moment ja nur staatliches Kapital bedeuten können, weil kein Privater wankenden Banken Eigenkapital geben will. Auf die Idee zu fragen, ob man in Zukunft die Zockerei mit staatlichem Kapital absichern will und warum der Staat so etwas Verrücktes tun sollte, kommt niemand.

Teil 2: Rückkehr zu Lean Banking

  • FTD.de, 19.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 23.10.2011 14:46:33 Uhr   John Doe: @jtanner

    Die spannende Geschichte geht mit links auf den Internetauftritt der TSI GmbH aus dem Jahre 2004 weiter. Dort sind auch die 13 Gründerbanken zu finden. Hier wird beschrieben, wie die TSI zu installieren ist (über Stiftungen und passende gesellschaftsrechtliche Konstruktionen, die eine Haftung der TSI ausschließen). Ein Verweis auf Herrn Hommel, EBH, Gründungsmitglied/Beirat und gleichzeitig eigener Gutachter, ist dort auch zu finden. Dort ist auch die Ausarbeitung eines Herrn Renner (WestLB) zu finden. Über 12 Seiten hinweg preist er Derivate an. Interessant ist, dass alle 13 Gründerbanken heute in Schieflage sind. Die HRE ist auch mit dabei! Quelle: http://www.tsi-gmbh.de/. Eine Interessante URL zum Thema: http://medienwatch.wordpress.com/category/wie-angela-merkel-half-fi...
    Verschwörungstheorie? Nein, der Ehre zu viel. Es müsste dann kriminelle Energie zum eigenen Vorteil und Nachteil Dritter unterstellt werden. Den Begriff auf die ideologische Basis pointiert angewandt trifft aber trotzdem. Alle, die, spätestens seit dem Jahre 2000, sich im Finanzmarkt tummeln, haben dasselbe geistige Rüstzeug. Sie kommen alle aus demselben ideologischen Stall Sie ticken nach demselben marktradikalen Muster. Es braucht dann keiner vorsätzlichen Verabredung. Es sind auch keine Naivlinge. Sie wissen genau, was sie tun. Sie wissen auch, dass sie als Gewinner Verlierer produzieren. Was der deutschen Bank Vorteile bringt, das bringt auch Dritten Vorteile! Die Vermutung sie hätten das perpetuum mobile für sich und die Welt gefunden trifft ins Schwarze. Die selbstgeschaffene Mathematik beweist es ihnen jeden Tag. Zahlen können nicht lügen, cetris paribus, fidibus! Es liegt an der Ideologie. Sie hat sogar das Dogma geschaffen die Endstufe der menschlichen Entwicklung zu sein (Rand, Hayek, Friedman). Damit ist die Frage nach eigener Verantwortung aus der Welt!
    Es wird sogar versucht aus dem Marktversagen ein Staatsversagen, die Eurorettung zu machen. Weltweit: $800 Trillion Derivatevolumen; dagegen nur $92 Trillion gesamtes Anleihevolumen; $52 Trillion Aktienkapitalisierung. Es wird sogar die Gläubigerhaftung ausgehebelt, indem der Staat die Gläubiger mit Rettungsschirmen besichert, weil vom Schuldner nicht zu holen ist. Dinge, die Verrat an der eignen Ideologie, der dogmatisch postulierten eigenen Verantwortung darstellen. Alles nur zum eigenen Wohl. Vom selbstreinigenden Markt keine Spur!
    "Wer hätte dem widerstehen sollen?" Ausrede pur, denn die Beteiligten haben die Voraussetzungen für ihr eigenes Wohl selbst geschaffen. Jetzt zu kommen, das Ganze sei ein Missverständnis, ein alternativloses Naturereignis gewesen ist schäbig. http://www.wallstreetwatch.org/soldoutreport.htm.
    Korrekt ist eine Kleptokratie, ideologisch mit einer quasi-religiösen Ideologie abgesichert, an zu nehmen!

  • 22.10.2011 02:15:18 Uhr   jtanner: Das Ende fehlt
  • 21.10.2011 12:12:21 Uhr   John Doe: @Jürgen
  • 20.10.2011 20:02:17 Uhr   ndm72: Aha, @Jürgen
  • 20.10.2011 16:55:59 Uhr   jo.cit: Darüber hinaus ist mir folgendes ein Anliege...
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