Nachdem Barak und Palästinenserführer Jassir Arafat sich nicht auf einen Kompromiss zur Zukunft Jerusalems einigen konnten, entschied sich Clinton, einen weiteren Tag in Camp David zu bleiben.
US-Finanzminister Larry Summers wird ihn in Japan bei Gesprächen mit Entwicklungsländern über Armut und Verschuldung vertreten. Clinton hätte seine Japan-Reise nicht verschoben, wenn es keine "Aussicht auf einen produktiven Tag" gäbe, sagte sein Sprecher Joe Lockhart.
Jerusalem ist die schwierigste offene Frage, da beide Führer unter immensem Druck stehen, ihren Anspruch auf die Stadt nicht aufzugeben. Wie israelische Sprecher verlauten ließen, ist Barak bereit, den Palästinensern Autonomie in Ostjerusalem zu gewähren, jedoch keine Souveränität. Palästinensische Sprecher sagten, dass Arafat trotz massiven Drucks seitens der USA und Israel nicht bereit sei, ein Teilabkommen zu unterzeichnen, das ihm weniger als die volle Staatshoheit über Ostjerusalem einräumt.
Um die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen, schlugen arabische Sprecher vor, dass Clinton das Thema Jerusalem auf einen späteren Gipfel verschieben solle. Sonst seien die Gespräche gefährdet. Die Atmosphäre hat laut Lockhart einen "Siedepunkt" erreicht. Andere Sprecher bezeichneten die Stimmung als "extrem angespannt".
Ohne große Aufregung wurde die Meldung von der möglichen Abreise Baraks aus Camp David hingegen zu Hause in der Knesset aufgenommen. Selbst als der Vorsitzende der Koalitionsabgeordneten, Ofir Pines, die Meldung bestätigte, vermuteten Mitglieder der Opposition einen "taktischen Schachzug" hinter der Drohung. "Barak versucht, seine Koalition zu beruhigen", so der Schas-Abgeordnete David Asulai.
"Wir wären sehr glücklich, wenn sich die Meldung bewahrheiten sollte", sagte der Abgeordnete Schaul Yahalom von der National-Religiösen Partei. Er persönlich habe ohnehin nicht an einen möglichen Kompromiss mit den Palästinensern geglaubt. Die National-Religiöse Partei war noch vor dem Gipfel in Camp David aus der Koalition ausgetreten. Die Zeit sei reif für eine Große Koalition auch angesichts der drohenden Gewalt infolge eines ergebnislosen Gipfels. "Erst wenn die Palästinenser verstehen, dass die Gewalt zu nichts führt, werden sie bereit zu Kompromissen sein."
Für eine nationale Einheitsregierung und "Ordnung im eigenen Haus" tritt auch Modi Sandberg von der anti-religiösen Schinui-Partei ein. "Meine einzige Sorge gilt zu großen Zugeständnissen gegenüber den Palästinensern." Die Angst vor einer neuen Intifada dürfe "nicht unsere Politik bestimmen".