Der chinesische Bürgerrechtler Chen Guangcheng hat die US-Botschaft in Peking verlassen. Der blinde Aktivist sei in einer "medizinischen Einrichtung in Peking eingetroffen, wo er medizinisch behandelt und wieder mit seiner Familie vereint wird", sagte ein hoher US-Regierungsbeamter der Nachrichtenagentur DPA in Peking.
US-Botschafter Gary Locke fuhr den 40-Jährigen persönlich ins Chaoyang Hospital, wie er der "Washington Post" telefonisch aus dem Auto berichtete. Chen selbst bestätigte dem Blatt in dem selben kurzen Anruf, dass er auf dem Weg ins Krankenhaus sei.
Chinas Regierung forderte eine Untersuchung und Entschuldigung von der amerikanischen Seite, die den 40-Jährigen in die Botschaft gebracht habe. Zuvor war US-Außenministerin Hillary Clinton zu länger geplanten Gesprächen in Peking eingetroffen. Der Fall überschattet die für Donnerstag und Freitag geplante neue Runde des strategischen und wirtschaftlichen Dialogs Chinas mit den USA, zu der Clinton und US-Finanzminister Timothy Geithner nach Peking gereist sind.
Nach Informationen DPA ist Chen in einem speziellen Gebäude des Krankenhauses für hohe Funktionäre untergebracht. Seine Frau und zwei Kinder, die in den vergangenen Tagen noch in seinem Dorf Dongshigu in der Provinz Shandong festgehalten worden waren, trafen ebenfalls in dem Krankenhaus ein, wie BBC berichtete.
Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, Chen habe die US-Botschaft nach sechs Tagen "aus freien Stücken" verlassen. "Es sollte darauf hingewiesen werden, dass der chinesische Staatsbürger Chen Guangcheng von der amerikanischen Seite auf ungewöhnliche Weise in die US-Botschaft in Peking gebracht wurde", sagte ein Außenamtssprecher. "Die chinesische Seite ist sehr unzufrieden mit diesem Schritt."
Der Sprecher beklagte, die USA hätten sich in innere Angelegenheiten eingemischt, was China "niemals akzeptieren" könne. Die US-Botschaft müsse sich an völkerrechtliche Bestimmungen halten und dürfe nichts tun, "was für ihre Funktion irrelevant ist". Die USA hätten China gegenüber ausgedrückt, welche Bedeutung sie den Forderungen und Sorgen Pekings beimäßen. Auch wollten sie das Notwendige tun, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, zitierte der chinesische Sprecher die US-Seite.
Der Bürgerrechtler war am Sonntag vor einer Woche nach 19 Monaten unter Hausarrest in seinem Dorf seinen Bewachern entkommen und mit Hilfe von Freunden nach Peking gelangt. Wie seine Freunde der DPA schilderten, will der Bürgerrechtler aber China nicht verlassen und auch kein Asyl beantragen. Er wolle vielmehr mit seiner Familie ein normales Leben in Freiheit in China führen können.