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Merken   Drucken   02.02.2012, 14:42 Schriftgröße: AAA

Blutbad im Stadion: Ägypter wittern Komplott hinter Stadionkrawallen

Das Land sucht die Verantwortlichen für die blutigen Ausschreitungen im Stadion von Port Said. Viele Ägypter sind überzeugt, dass das herrschende Militär oder Schläger des untergangenen Regimes Regie bei den Krawallen führten. von Kai Beller  Berlin
Der Gewaltexzess im Fußballstadion der Stadt Port Said schockiert Ägypten. Mindestens 71 Tote und 1000 Verletzte ist die Bilanz der Ausschreitungen nach dem Spiel der Klubs Al-Masri und der Gastmannschaft Al-Ahly aus Kairo. Viele Ägypter glauben, dass die Krawalle einen politischen Hintergrund haben. Das herrschende Militär oder Kräfte des alten Regimes werden als Drahtzieher vermutet.
Ausschreitungen in Port Said "Das ist Krieg und kein Fußball"
Für die Al-Ahly-Fans war der Schuldige schnell ausgemacht: Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, Chef des Militärrats und damit der starke Mann Ägyptens. Sie vermuten ein Komplott der Militärs gegen die Revolution hinter den Ausschreitungen. "Wir wollen deinen Kopf, du Verräter Tantawi", schrieb die Fangruppe "Ultras Tahrir Square" auf ihrer Facebook-Seite. Die meist jugendlichen Fußballanhänger, die an vorderster Front für den Umsturz in ihrem Land gekämpft haben, sinnen auf Rache. Sie sind enttäuscht von der Armee, der sie vorwerfen, den Übergang zur Demokratie zu verschleppen.
Die Ultras sind auch nicht die einzigen, die an eine Verschwörung glauben. Die Muslimbruderschaft, die stärkste Fraktion im neugewählten Parlament, sieht laut einer Stellungnahme Kräfte am Werk, die in enger Verbindung zu dem früheren Regime von Präsident Hosni Mubarak stünden. Bezahlte Schlägerbanden könnten die Krawalle initiiert haben.
Die Muslimbrüder riefen den regierenden Militärrat auf, alles zum Schutz der Menschen in Ägypten zu tun. Zudem müsse untersucht werden, welche Verantwortung die Polizei an der Eskalation trage. Am Donnerstag soll sich das Parlament mit der Katastrophe beschäftigen.
Unter den Opfern sind besonders viele Al-Ahly-Anhänger, die während der Revolution eine wichtige Rolle spielten. Die Fans des Hauptstadtclubs verteidigten den Tahrir-Platz in Kairo im Herbst bei Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Außerdem nutzten sie die Fußballstadien als Bühne für ihren Protest gegen die Militärherrscher. Bei Fernsehübertragungen wurden die Ägypter Zeuge dieser Aktionen.
Viele halten die Ausschreitungen im Stadion daher auch für eine gezielte Strafaktion gegen die Ultras. Sie sollten vor den Augen der Öffentlichkeit als gewaltbereite Schlägerbanden diskreditiert werden, lautet diese Theorie. Fanausschreitungen kommen in Ägypten häufig vor. Es läge also nahe, diese Plattform zu nutzen. Bewiesen ist das freilich nicht.

Teil 2: Polizei hält sich zurück

  • FTD.de, 02.02.2012
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