Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi hat auf die Umwälzungen im Nachbarland Tunesien mit scharfer Kritik und persönlicher Betroffenheit reagiert. Zu dem Sturz des seit 23 Jahren regierenden Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali und den neuen Machthabern sagte Gaddafi: "Ich kenne diese neuen Leute nicht, aber wir alle kennen Ben Ali und die Veränderungen, die in Tunesien erzielt wurden. Warum zerstört ihr dies alles?".
"Es tut mir sehr weh, was in Tunesien geschieht", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Jana den Revolutionsführer des Nachbarlandes. "Tunesien lebt jetzt in Angst." Die Tunesier erlebten Blutvergießen und Gesetzlosigkeit, weil die Menschen in aller Eile versucht hätten, ihren Präsidenten loszuwerden. Dabei habe Staatschef Ben Ali ihnen doch versichert, nach drei Jahren sein Amt aufzugeben.
Er sei "schmerzhaft berührt", von dem, was in Tunesien geschehe, sagt er am Samstagabend im libyschen Fernsehen. "Tunesien hat sich jetzt in ein Land verwandelt, das von Banden regiert wird", kritisierte Gaddafi, der selbst seit 40 Jahren an der Macht ist.
Ben Ali war am Freitag abgedankt und nach Saudi-Arabien geflüchtet. Zuvor hatte er versucht, die Tunesier mit dem Zugeständnis zu beruhigen, nach der Amtszeit keine Wiederwahl anzustreben. Bei den Unruhen in Tunesien sind mehr als 130 Menschen ums Leben gekommen.