Im Rahmen eines Börsengangs an den Festlandsbörsen Shenzhen und Schanghai müssen Unternehmen demnach künftig zehn Prozent ihrer Aktien an den staatlichen Pensionsfonds National Social Security Fund (NSSF) übertragen, wie aus einer Mitteilung des Finanzministeriums hervorgeht.
Mit der Maßnahme, die auch rückwirkend für alle seit 2005 an die Börse gegangenen Staatsunternehmen gilt, will Peking die Unterfinanzierung des staatlichen Rentensystems bekämpfen.
In einem ersten Schritt transferieren 131 der rückwirkend betroffenen Unternehmen - darunter auch die China Construction Bank oder Versicherungsriesen wie China Life und Ping An - Aktien im Wert von umgerechnet 7 Mrd. Euro an den staatlichen Pensionsfonds NSSF. Dieser muss die Aktien mindestens drei Jahre halten.
Die Finanzierung der staatlichen Sicherungssysteme ist eine der größten Herausforderungen für die Volksrepublik. Chinas Gesellschaft altert sehr schnell und im Gegensatz zu Industrieländern auf einem relativ niedrigen Einkommensniveau. Nach Berechnungen der Deutschen Bank erreicht der Anteil der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung bereits 2010 ihren Höhepunkt mit dann 72 Prozent.
Diese Quote sinkt künftig rapide und stellt eine enorme Belastung für die sozialen Sicherungssysteme dar, da sich binnen nur 20 Jahren die Quote der Menschen über 65 Jahre in China von derzeit 10 auf dann 20 Prozent verdoppeln wird. Wie ein Brandbeschleuniger für die bereits jetzt unterfinanzierten Rentenkassen und die Überalterung wirkt die Ein-Kind-Politik der Regierung. Nach einer Berechnung der Weltbank summiert sich die implizite Deckungslücke des Rentensystems auf Basis der laufenden Zahlungen und Zusagen bereits auf umgerechnet rund 1000 Mrd. Euro.
Den NSSF hatte die Regierung 2000 gegründet, aktuell verwaltet er umgerechnet 60 Mrd. Euro. In der zweiten Jahreshälfte könnten weitere 1,5 Mrd. Euro aus dem neuen Programm hinzukommen: Nach Schätzungen von Ernst & Young beträgt die Gesamtsumme der Erlöse aus neuen Börsengängen in Festlandchina in der zweiten Jahreshälfte umgerechnet rund 15 Mrd. Euro. Die neue Zwangsabgabe in Form von Aktien gilt jedoch nicht für die Börse Hongkong. Dort dürften die Unternehmen mit Börsengängen im laufenden Jahr rund 14 Mrd. Euro einsacken.