Mit Beginn des Fastenmonats Ramadan hat das syrische Militär eine massive Gegenoffensive gegen die Aufständischen gestartet. Nach Angaben der Opposition überrannten die Regierungstruppen am Samstag einen Vorort von Damaskus. Nördlich von Homs seien Truppen zusammengezogen worden. Die Handelsmetropole Aleppo war den zweiten Tag in Folge heftig umkämpft. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR schätzt, dass seit Beginn der Aufstände vor 16 Monaten rund eine Million Syrer aus Angst um ihr Leben ihre Heimatstädte verlassen haben. Syrien hat 21 Millionen Einwohner.
Erneut kündigten zwei Generale Präsident Baschar al-Assad die Gefolgschaft auf und flohen in die Türkei. Ein im Januar desertierter General warnte vor dem Einsatz von chemischen Waffen in Syrien. Die syrische Militärführung hat nach seinen Worten Chemiewaffen aus den Lagern geholt, um sie für den Einsatz vorzubereiten. "Sie haben sie aus dem Lagern geholt und an andere Standorte verlegt", sagte General Mustafa Scheich, am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Scheich ist bereits im Januar desertiert ist und befindet sich derzeit in der Türkei. "Sie wollen das Land in Brand setzen. Das Regime kann nicht stürzen, ohne ein Blutbad anzurichten", fügte der General hinzu. Die syrische Regierung bestreitet die Verlegung der C-Waffen.
Die syrische Muslimbruderschaft erklärte derweil den Friedensplan von UN-Sondervermittler Kofi Annan für gescheitert. Der Annan-Plan habe das Sterben von Zivilisten nicht verhindern können und dem Assad-Regime nur Zeit verschafft, sagte Gaysa Ulabi, einer der führenden Köpfe, am Samstag der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu in Istanbul. Die islamistische syrische Exil-Organisation hatte sich dort zu einer dreitägigen Konferenz getroffen.
Das Lokale Koordinationskomitee der Opposition berichtete, dass sich Truppen von Assad an den Eingängen der Aufständischen-Hochburg Al-Rastan nördlich von Homs sammelten. Augenzeugen berichteten von Aufklärungsflügen über der Stadt und einsetzendem Artilleriebeschuss.
Aus dem Umland von Damaskus wurden heftige Gefechte gemeldet. Bei dem Angriff auf die Vorstadt Schaba soll das Militär von regimetreuen Milizen unterstützt worden sein. Die syrischen Menschenrechtsbeobachter in London berichteten, dem Angriff sei schwerer Artilleriebeschuss vorausgegangen, bei dem mindestens ein Zivilist starb und Dutzende weitere verletzt wurden.
In der zweitgrößten syrischen Stadt Aleppo lieferten sich Militär und Rebellen über weite Strecken des Tages heftige Kämpfe. Erst am Nachmittag habe sich die Lage etwas beruhigt, schilderte eine örtliche Aktivistin dem Nachrichtensender Al-Dschasira. Die Handelsmetropole im Norden war bislang von den bewaffneten Auseinandersetzungen weitgehend verschont geblieben.
In Deir as-Saur, der wichtigsten Stadt im kurdischen Nordosten, kamen im Artilleriebeschuss der Regimestreitkräfte mindestens drei Menschen ums Leben, darunter ein sechsjähriges Kind. Insgesamt starben nach Oppositionsangaben bis zum Nachmittag landesweit mindestens 59 Menschen. Am Freitag hatten die syrischen Menschenrechtsbeobachter knapp 240 Tote gezählt.