Das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" hat mit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen das gemacht, was ein Satiremagazin machen sollte: Satire. Es ist seine Aufgabe, politische, geschmackliche und gesellschaftliche Grenzen auszuloten und, wenn nötig, zu überschreiten.
Das gilt erst recht für die Grenzen in den Köpfen. Und die gibt es zweifellos im Umgang mit dem Islam. Dass dieser Vorstoß nun von linksliberaler Seite kommt und nicht mehr nur aus der rechtspopulistischen Schmuddelecke, ist umso besser.
Seit sich der Islam stark politisiert hat - und das ausgehend vom Iran und Saudi-Arabien -, wächst die Furcht im Westen vor religiösen Fundamentalisten. Es sind diese Fanatiker, die Gewalt ausüben, nicht irgendwelche Karikaturen. Die Folge ist die Angst im Westen, etwas Falsches zu sagen, zu zeichnen oder, wie im Falle des umstrittenen Mohammed-Films, zugänglich zu machen. Das zeigt sich daran, dass viele den Film in einer Art vorauseilender Beschwichtigung als dämlich oder schlecht bezeichnen. Als wenn die Qualität des Films überhaupt interessierte. Dies zu beurteilen ist Sache von Filmkritikern und Zuschauern, nicht von Politik und Justiz.
Verbieten sollte man solche Filme, Zeichnungen oder Karikaturen jedenfalls nicht. Das deutsche Strafgesetzbuch regelt bereits in Paragraf 166, dass man bei Beschimpfungen religiöser Bekenntnisse oder Religionsgemeinschaften bestraft werden kann, wenn der "öffentliche Friede" gefährdet ist. Eine Verschärfung dieses Gesetzes, gar eine Art Anti-Blasphemie-Paragraf, wie er von manchen trittbrettfahrenden konservativen Politikern in Deutschland gefordert wird, ist daher unnötig.
Jedes Medium muss für sich entscheiden, ob es das Risiko der Veröffentlichung von Karikaturen oder Filmen eingehen möchte. Allerdings kann sich keiner in absoluter Sicherheit wiegen. Den Film hat bislang ohnehin kaum einer gesehen, er kursiert nur der Trailer. Und einige islamische Länder haben den Internetzugriff darauf längst gesperrt. Trotzdem gingen die Fanatiker, die in ihren Ländern um die Macht und Anhänger kämpfen oder von eigenen Missetaten ablenken wollen, auf die Straße. Und wenn es nicht wegen irgendeines obskuren Films oder wegen der Karikaturen gewesen wäre, dann eben wegen irgendetwas anderem. Das ist nur der Anlass für die Gewalt, nicht der Grund.
es gibt doch kein schöneres Thema für Satire wie Religion.
Religion ist was, was man einfach nicht kritisieren darf. Möglicherweise gilt das deswegen, weil Menschen sich ungern auf ihren Illusionen herumtrampeln lassen. Um die tragische Wahrheit der Endlichkeit des Lebens schlucken zu können bedienen sich manche eines wahnsinnig kleveren Konstrukts: Wenn man nur sich die Sache nur fest genug einredet, stirbt man in Wirklichkeit garnicht, sondern es geht noch weiter und man trifft all seine Lieben wieder (nach dem Leben hier). Wenn dann noch möglichst viele um einen rum dies glauben ist die Illusion perfekt.
Jedenfalls bei Religion gehts ans Persönliche, das tut weh, wenn da jemand drauf rumtramplet....