"Wir lehnen es entschieden ab, wenn Länder oder Personen die Spiele politisieren oder mit anderen Dingen verknüpfen", sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Dienstag in Peking. "Das verletzt den Olympischen Geist und ist unfair gegenüber China." Es sei auch ungerecht gegenüber allen Sportlern in der Welt.
In der Tibetfrage möchte sich China nicht reinreden lassen. "Tibet ist eine innere Angelegenheit Chinas und erlaubt keine ausländische Einmischung", sagte der Sprecher. Ausländische Regierungen warnte er vor Treffen mit dem Dalai Lama, nachdem etwa in Polen, Großbritannien und Frankreich die Bereitschaft geäußert worden war, das geistliche Oberhaupt der Tibeter zu empfangen. "Ihm eine Plattform für seine separatistischen Aktivitäten zu geben, ist nicht angemessen", hieß es dazu aus China.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier will noch am Dienstag mit seinem chinesischen Kollegen Yang Jiechi in einem Telefonat über die Lage in Tibet sprechen. Das bereits für das Wochenende geplante Gespräch sei aus Termingründen verschoben worden, sagte Steinmeiers Sprecher. Das Gespräch ist Teil des Dialogs, den die Bundesregierung mit Peking sucht. Die Entwicklung in der chinesischen Provinz werde mit Sorge gesehen. Es gehe der Bundesregierung darum, den Menschen zu helfen, Gewalt zu vermeiden und politische Lösungen für Konflikte zu suchen.
Mehrere deutsche Politiker hätten sich einen Boykott der Olympischen Spiele gern als Druckmittel gegen die chinesische Regierung erhalten. Sie kritisieren die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) als voreilig. Angesichts der Lage in Tibet wäre es "klüger" gewesen, die Teilnahme an den Sommerspielen noch offen zu lassen, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Ruprecht Polenz (CDU).
Polenz sagte, abgesehen von einem Sportler-Boykott sei auch eine Art politischer Demonstration bei der Olympia-Zeremonie denkbar. Falls Peking so "militant" handeln sollte wie es zurzeit rede, könne er sich nicht vorstellen, dass deutsche Politiker "zur Eröffnungsfeier oder zur Schlussfeier fahren". Grünen-Chefin Claudia Roth warnte davor, der chinesischen Führung einen "Blankoscheck" auszustellen.
Am Mittwoch wird sich der außenpolitische Ausschuss des Europäischen Parlaments mit der Lage in Tibet befassen. Der Präsident des Europäischen Parlaments, Hans-Gert Pöttering (CDU), hatte am Wochenende in einem Interview der "Bild am Sonntag" Boykottmaßnahmen nicht ausgeschlossen, wenn es keine Signale Pekings zur Verständigung mit dem Dalai Lama geben sollte. China müsse umgehend mit dem religiösen Oberhaupt der Tibeter einen Dialog aufnehmen, forderte der deutsche Politiker.
Der Dalai Lama trifft bei seinem für Mai geplanten Besuch in Deutschland nicht mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen. Ein Regierungssprecher Thomas Steg sagte, die Kanzlerin werde in der geplanten Zeit nicht in Deutschland sein. Bei "passender Gelegenheit" sei aber ein Treffen möglich. Merkel plant Mitte Mai eine längere Südamerika-Reise. Im September hatte die Kanzlerin als erste deutsche Regierungschefin den Dalai Lama im Kanzleramt empfangen und damit eine diplomatische Krise in den deutsch-chinesischen Beziehungen ausgelöst.
Der Dalai Lama rief seine Landsleute zu Gewaltfreiheit auf und drohte erneut mit Rücktritt. Sollte es weiterhin gewalttätige Demonstrationen gegen die chinesische Fremdherrschaft in Tibet geben, habe er keine Wahl, als sich von der politischen Bühne zurückzuziehen. Auf die Krise in Tibet habe er keinen Einfluss, sagte der Dalai Lama in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Daher könne auch er nur "abwarten", wie sich die Situation entwickelt.
Bei den seit Tagen andauernden Protesten von Exil-Tibetern in Nepals Hauptstadt Kathmandu wurden am Dienstag erneut mehr als 100 Demonstranten festgenommen. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein, um eine Kundgebung vor der chinesischen Botschaft aufzulösen. Nepals Regierung unterstützt die umstrittene Tibet-Politik Chinas und hat angekündigt, anti-chinesische Proteste nicht zu tolerieren.