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Merken   Drucken   05.09.2011, 11:03 Schriftgröße: AAA

Chinas Immobilienblase: Neues Scheidungsrecht bringt Chinesinnen in Not

Künftig wird eine Immobilie nach der Trennung nicht zwischen den Partnern aufgeteilt, sondern fällt an den registrierten Besitzer. So will es das oberste Gericht Chinas. Da hilft nur die eigene Wohnung.
© Bild: 2010 Qilai Shen/EPA/dpa/picture-alliance
Künftig wird eine Immobilie nach der Trennung nicht zwischen den Partnern aufgeteilt, sondern fällt an den registrierten Besitzer. So will es das oberste Gericht Chinas. Da hilft nur die eigene Wohnung. von Ruth Fend  Peking
Lucy Fang hat sich daran gewöhnt, dass kein Abendessen mit Freunden das Thema Wohnungen ausspart. Inzwischen geht es bei den Gesprächen der jungen Chinesin aber nicht mehr nur um explodierende Häuserpreise. Sondern auch um solche Fragen: Wem gehört nach der Heirat das gemeinsame Heim? Wie viele Wohnungen braucht man?
Eine Massenhochzeit in Peking anlässlich des Schnapsdatums ...   Eine Massenhochzeit in Peking anlässlich des Schnapsdatums 10.10.2010. Viele andere Chinesen gehen bei der Partnersuche leer aus
Schuld ist Chinas oberstes Gericht. Das hat mit einer neuen Auslegung des Scheidungsrechts eine hitzige Debatte im Land ausgelöst. Demnach soll Wohneigentum im Fall einer Scheidung nicht mehr in zwei gleiche Teile geteilt werden. Künftig gehört es dem registrierten Besitzer, der andere wird nur minimal entschädigt - was den ohnehin überhitzten Immobilienmarkt weiter anfeuern könnte.
"Die Folge wird sein, dass Frauen sich eigene Wohnungen kaufen", sagt die 29-jährige Fang.
Aus kulturellen Gründen kann ein Mann, der keine Wohnung mit in die Ehe bringt, bisher kaum ans Heiraten denken - wegen der Immobilienblase ein zunehmendes Problem für männliche Großstädter. Oft springen deshalb die Eltern ein.
Schon haben die ersten Makler nun Eltern junger Frauen als Zielgruppe entdeckt. In Werbekampagnen animieren sie dazu, "voreheliches Eigentum" für die Tochter zu kaufen. So machten es auch Fangs Eltern: Sie drängten ihr die Wohnung, in der sie gemeinsam mit ihrem Freund wohnt, geradezu auf. "Ich wollte mir so kurz nach der Uni keine kaufen", sagt die Angestellte eines Staatsunternehmens.
Dass sie nun eine von Mama und Papa erworbene Immobilie bewohnt, ist ihr unangenehm. "Meine Eltern haben ihre ganzen Lebensersparnisse in unsere Wohnung gesteckt", sagt Fang. Umgerechnet rund 330.000 Euro haben die 100 Quadratmeter im Süden Pekings gekostet.
Obwohl Fang nun abgesichert ist - die Wohnung wird auf ihren Namen eingetragen -, kritisiert sie das neue Recht massiv: "Das verdreht unsere Kultur." Eine Zusatzsteuer macht es für Eheleute unattraktiv, eine Wohnung auf beide Partner eintragen zu lassen. Fang erlebt nun Beziehungskrisen von Freunden, die sich vor der Hochzeit erst über das Finanzielle einig werden müssen.
Dabei soll die Klärung offiziell bewirken, dass Frauen aus Liebe heiraten - und nicht, um sich eine Wohnung zu erschleichen. Bleibt die Frage, was zuerst da war: die Scheidung, die Blase oder der Eingriff der Regierung. Um die Spekulation zu dämpfen, hat Peking den Kauf von Zweitwohnungen erschwert. Für manches Paar ein Grund, sich scheiden zu lassen.
  • FTD.de, 05.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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