Sie ist mit rund 2,5 Millionen Soldaten die weltweit größte Armee. Doch für die Öffentlichkeit existierte sie bisher nicht. Am Verteidigungsministerium in Peking verrät kein Schild, was und wer sich in dem massiven Gebäudekomplex versteckt. Auf vielen Stadtplänen fehlt das Gebäude ganz. Und wenn Journalisten sich für die Volksbefreiungsarmee interessierten, dann führte man wenigen auserwählten Reportern stets dieselbe Kaserne mit dem immergleichen Exerzierfeld vor.
Und jetzt das: "Reicht Ihnen die Antwort auf Ihre Frage? Bin ich offen genug?" Das fragt Generalmajor Qian Lihua, seit vergangenem Jahr Chef der außenpolitischen Abteilung des chinesischen Verteidigungsministeriums. Das Interview mit der Financial Times ist das erste, das jemals einem ausländischen Medium auf dem Ministeriumsgelände gewährt wurde. Der unter anderem an der Fremdsprachenschule der britischen Armee und in Harvard ausgebildete Offizier parliert in perfektem Englisch und gibt sich betont locker, wenn er seine Besucher durch die Amtsräume führt.
Jetzt gibt es sogar eine Pressestelle
Qian steht für eine Politikwende in Pekings Umgang mit dem Militär. Sichtbarste Änderung: Die Einrichtung einer Pressestelle. Auch die ständig wachsende Beteiligung an Uno-Friedensmissionen gehört zum neuen Image der Armee, von der international vor allem Bilder ihres Panzereinsatzes vor 19 Jahren auf dem Platz des Himmlischen Friedens bekannt sind. Knapp 2000 Chinesen leisten heute technische und medizinische Hilfe oder unterstützen die Uno mit Logistik. Qian hofft, bald auch Kampftruppen senden zu können, wäre da nicht ein Problem: "Die USA und die EU wollen auf der einen Seite, dass wir mehr Truppen für Friedenseinsätze schicken, auf der anderen Seite halten sie das Waffenembargo gegen China aufrecht."
Vor allem Japan und die USA klagen regelmäßig darüber, dass China mit seiner Geheimniskrämerei nur die Sorgen in der Region verstärke. So hieß es in einem Bericht des US-Verteidigungsministeriums an den Kongress in diesem Jahr: "Die fehlende Offenheit Chinas in Militär- und Sicherheitsfragen birgt Risiken für die Stabilität, indem sie das Risiko für Missverständnisse und Fehlkalkulationen erhöht."
Erfolg dürfte China mit der Charmeoffensive nur haben, wenn sie auch für sensible Fragen gilt. Unklar ist etwa, wie viel China jährlich für sein Militär ausgibt. Auch als Peking im vergangenen Jahr einen eigenen Satelliten abschoss, rätselte die Welt über den Hintergrund.
Qian baut mit einer Ankündigung immerhin schon einmal vor: Die Welt solle nicht überrascht sein, wenn China sich demnächst auch einen Flugzeugträger anschaffen werde. Schließlich muss das Land auf die größte Bedrohung vorbereitet sein: Wenn die Separatisten von der Insel Taiwan Ernst machen.