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Merken   Drucken   28.04.2012, 09:00 Schriftgröße: AAA

Chinas Politaffäre: "Tu's für Amerika!"

Die Affäre um den früheren Topkader Bo Xilai und seine Familie erregt ganz China: der Vater ein Nestbeschmutzer, die Mutter unter Mordverdacht. Und wie sich nun herausstellt - der Sohn ein ziemlich lausiger Frauenheld.
von Peking

Familie Bo entwickelt sich zusehends zu Chinas Denver-Clan. Erst musste Vater Bo Xilai seinen komfortablen Kaderposten bei den Kommunisten räumen - laut "New York Times", weil er Genossen bespitzeln ließ. Mutter Gu Kailai droht die Todesstrafe wegen des Verdachts, sie habe den Briten Neil Heywood vergiftet. Dabei hatte der doch dafür gesorgt, dass Sohn Bo Guagua erst in der britischen Eliteschule Harrow, später in Harvard unterkam.

Und auch Bo Guaguas Treiben erregt die Chinesen. Sie zerreißen sich das Maul etwa über den roten Ferrari, mit dem er die Tochter des US-Botschafters zum Date abgeholt habe - ausgerechnet, während sein Vater eine Kampagne zur Wiederbelebung maoistischer Werte inszenierte.

Angeblich nicht gerade ein Gentleman: Bo Xilais Sohn Bo Guagua   Angeblich nicht gerade ein Gentleman: Bo Xilais Sohn Bo Guagua

Der 24-jährige Sprössling ging nun in der Harvard-Unizeitung "Crimson" zur Gegenoffensive über. Er lebe von "unabhängig erworbenen Stipendien" und den Ersparnissen seiner "großzügigen Mutter". Und: "Ich bin nie einen Ferrari gefahren. Ich war nie in der Residenz des US-Botschafters."

Doch mit den Fakten hält es Bo junior so wie Ex-Bundespräsident Christian Wulff: nicht falsch, aber auch nicht die ganze Wahrheit, wie die FTD von einem Freund des damaligen US-Botschafters in Peking, Jon Huntsman, erfuhr. "Natürlich ist Bo Guagua nicht in die Residenz gegangen. Er hat davor geparkt. Und zwar mit einem Maserati."

Was der Insider über das Rendezvous berichtet, schmeichelt Bo wenig: "Der war kein Gentleman." Die bildhübsche Mary Anne habe sich nur auf Drängen Huntsmans auf das Date eingelassen. Es ging in eines der nobelsten französischen Restaurants in Peking. "Als Erstes hat Bo Guagua zwei Flaschen teuersten Weißwein bestellt", so der Huntsman-Vertraute. "Dann setzte er sich zu ein paar Freunden an einen anderen Tisch und trank mit denen. Das Mädchen ließ er einfach sitzen."

Der ehemalige amerikanische Botschafter in China Jon Huntsman mit ...   Der ehemalige amerikanische Botschafter in China Jon Huntsman mit seiner Familie. Mary Anne ist die Zweite von links

Irritiert habe Mary Anne ihren Vater angerufen. Das gehe alles gar nicht, sie müsse weg. Der Diplomat gab Durchhalteparolen aus: "Tu's für Amerika!" Wenn es allzu schlimm werde, solle sie eine SMS schicken mit dem Hilferuf "Emergency".

Der folgte, als Bo zum Hauptgang einen teuren Rotwein orderte, um sich gleich wieder zu den Jungs zu verdrücken. Am Ende erlöste Huntsman seine Tochter per Anruf. "Mit ihrem Abgang hatte der Kerl gar kein Problem. Aber nach Hause gefahren hat er sie auch nicht", erzählt der Insider.

Stattdessen ließ Bo Guagua, ganz im Geiste Maos, einen Wagen vorfahren. Einen Bentley.

  • FTD.de, 28.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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