Nicht, dass sich Patrick Chong nach der Apartheid zurücksehnen würde. Bloß: Während der Rassentrennung seien die Chinesen in Südafrika wenigstens eine unterdrückte Gruppe unter anderen gewesen. Das habe sich mit dem Ende des Apartheidsregimes verändert. Denn während sich für die Schwarzen neue Chancen eröffneten, seien seine Leute "ein zweites Mal diskriminiert worden", sagt Chong, der Sprecher der Chinesen in Südafrika. Umso mehr freut er sich über das Urteil, das ein Gericht in Pretoria jetzt gesprochen hat und das auf den ersten Blick apart anmutet: Südafrikas Chinesen sind künftig wieder als "Farbige" einzustufen.
Mehr als 10.000 Chinesen leben in Südafrika, sie blicken auf eine lange Geschichte am Kap zurück. Die ersten kamen vor mehr als 100 Jahren, um im Goldbergbau zu arbeiten. Eine zweite Einwanderungswelle setzte in den frühen 20er-Jahren ein, als sich chinesische Händler in den Küstenregionen als Kleinhändler ansiedelten. Im Apartheidsstaat wurden die chinesischstämmigen Südafrikaner als "Farbige" klassifiziert und durften ausschließlich in den für "Mischlinge" reservierten Wohnbezirken leben.
Mit den demokratischen Reformen der 90er-Jahre trat das staatliche "Black Economic Empowerment"-Programm (BEE) in Kraft - ein Paket von Gesetzen, das den Schwarzen helfen soll, die sozialen und wirtschaftlichen Nachteile der Apartheidsjahre zu überwinden. So werden schwarze Arbeitnehmer zum Beispiel bei der Einstellung bevorzugt, ebenso wie schwarze Unternehmer bei der Vergabe öffentlicher Aufträge. Chong und seine Mannen stören sich an den BEE-Gesetzen seit Jahren. Denn während das Programm beispielsweise für die Inder im Land galt, blieben die Chinesen außen vor - bis zum Urteil in Pretoria.
An dem Spruch des dortigen Landgerichts entzündet sich nun eine hitzige Debatte. Schwarze Interessenverbände bezeichneten das Urteil als "schockierend". Schließlich seien es allein die Schwarzen gewesen, die den demokratischen Widerstandskampf geführt hätten. Arbeitsminister Membathisi Mdladlana ließ sich zu der Äußerung hinreißen: "Soviel ich weiß, sprechen Mischlinge nicht Chinesisch." Daraufhin wurde er von weißen Oppositionellen als "Rassist" beschimpft.
Hintergrund des Streits sind Spannungen zwischen schwarzen Einheimischen und chinesischen Geschäftsleuten, die sich in Südafrika - wie auch andernorts auf dem Kontinent - in den letzten Jahren zu Tausenden niedergelassen haben. Chong indes warnt davor, die neu ins Land strömenden Chinesen mit den alteingesessenen zu verwechseln: "Die Neuen bezeichnen uns Alte als ,Bananen‘ - als verwestlichte Chinesen mit einer gelben Schale und einem weißen Kern."