Es ist die schlimmste Naturkatastrophe seit Menschengedenken in Japan. Schwere Erdstöße und ein anschließender Tsunami verwüsten weite Landstriche. FTD.de berichtet über das Beben und seine Folgen.
16:24 Zahlreiche Amerikaner kaufen Jodtabletten, um sich vor befürchteten Folgen der Reaktorunfälle in Japan zu schützen. Nach Angaben des "Wall Street Journal", sind einige Präparate bereits ausverkauft. Dabei hatte die US-Atomkontrollbehörde gesagt, es sei "sehr unwahrscheinlich", dass Strahlung von Japan nach Hawaii oder auf das US-Festland gelange. Das Gesundheitsamt in Kalifornien warnte, dass Jod allergische Reaktionen hervorrufen könne und daher nicht ohne Grund und Anweisung eingenommen werden sollte.
Zahlreiche Anbieter wie Anbex berichteten von Engpässen. "Diejenigen, die keine Jodtabletten mehr bekommen, brechen in Tränen aus. Die Menschen haben Angst", zitierte das "Wall Street Journal" Anbex-Präsident Alan Morris.
16:09 Frankreich hat besonders gefährdete eigene Bürger ausgeflogen. Die etwa 280 Passagiere kämen in dem Flugzeug zurück, das französische Helfer nach Japan gebracht hatte, sagte der französische Botschafter. Es handele sich unter anderem um Franzosen, die sich ium die Millionenstadt Sendai aufgehalten hatten, die vom Tsunami besonders hart getroffen worden war. Eine weitere Rückholaktion sei nicht geplant. Die Botschaft forderte alle Franzosen auf, die keine dringenden Gründe zum Bleiben haben, Tokio vorerst zu verlassen. Die Behörden schätzen die Zahl der Franzosen, die sich in Japan aufhalten, auf etwa 10.000, davon 7000 im Großraum Tokio.
15:53 Die AKW-Betreiberfirma Tepco will die Reaktoren möglicherweise von Hubschraubern aus mit Wasser kühlen. Vom Hubschrauber aus sei die Gefahr einer radioaktiven Verstrahlung geringer, hieß es. Außerdem sei die Kühlung aus der Luft möglicherweise effektiver. Es werde erwogen, die japanischen und amerikanischen Streitkräfte um Hilfe zu bitten. In Block 4 des AKW Fukushima soll das Wasser in einem der Abklingbecken für verbrauchte Brennstäbe kochen. Das Kühlsystem ist wahrscheinlich ausgefallen.
15:42 Nach Angaben der IAEA könnte die Wasserstoffexplosion am Montag in Block 2 des AKW Fukushima den Sicherheitsbehälter beschädigt haben. Um den Unglücksreaktor sei eine 30 Kilometer breite Flugverbotszone eingerichtet worden. Die Lage in den AKW Fukushima II, Onagawa und Tokai sei stabil und sicher.
15:01 Die Region Kanto, in der auch die Millionenstadt Tokio liegt, ist von einem heftigen Nachbeben erschüttert worden. Das Beben überstieg der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo zufolge die Stärke 6. Ein Tsunami sei nicht zu befürchten. Zuvor hatte sich vor der japanischen Ostküste auf Höhe der Präfektur Fukushima ein Nachbeben der Stärke 6,3 ereignet. In Fukushima steht der Atomkomplex, in dessen Reaktorblöcken es mehrfach Explosionen gab.
14:58 Südkorea sieht bisher keine unmittelbare Gefahr durch die schwerbeschädigten Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima im Nachbarland Japan. Bisher seien in Südkorea keine erhöhten Strahlenwerte durch den Austritt von Radioaktivität in Fukushima festgestellt worden, sagte der Leiter der Abteilung für nukleare Sicherheit im Ministerium für Wissenschaft und Technologie, Baek Min, der Deutschen Presse-Agentur in Seoul am Dienstag.
14:48 Der Betreiber des AKW Fukushima I plant nach eigenen Angaben, durch die von einer Explosion in die Außenwände von Reaktor 4 gerissenen Löcher Wasser einzuleiten. Tepco will so versuchen, ein Abklingbecken mit verbrauchten Brennstäben zu kühlen. Zuvor war gemeldet worden, dass das Wasser in dem Becken koche und dadurch verdunste. Das Becken steht durch die Löcher in der Außenwand des Gebäudes derzeit in direktem Kontakt mit der Außenluft. Tepco teilte mit, dass das Einleiten von Wasser zwei oder drei Tage dauern werde.
14:45 Die japanische Hauptstadt ist nach Berichten von Augenzeugen erneut von einem Erdbeben erschüttert worden. Ersten Fernsehberichten zufolge hatte das Beben eine Stärke von 6,2 und erschütterte den Osten des Landes. Die Stärke wurde den Berichten zufolge kurze Zeit später auf 6,0 nach unten korrigiert. Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, nach dem Nachbeben gebe es keine Hinweise auf einen drohenden Tsunami. Erst am Freitag war Japan von einem verheerenden Beben erschüttert worden. Dieses hatte einen Tsunami und die aktuelle Atomkatastrophe ausgelöst.
14:40 Japans Notenbank hat weitere Milliarden in die Märkte gepumpt, um die krisengeschüttelte heimische Wirtschaft in Gang zu halten. Die Notenbank stellte dem Finanzmarkt am Dienstag umgerechnet rund 45 Mrd. Euro zur Verfügung. Am Montag hatten die Währungshüter bereits rund das Dreifache und damit eine Rekordsumme angeboten.
14:36 Der Chef der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (Dena), Stephan Kohler, hat den Schwenk der Bundesregierung in der Atompolitik als halbherzig kritisiert. "Was ich nicht verstehe ist das dreimonatige Moratorium. Wir brauchen Investitionssicherheit. Wir müssen wissen, wohin die Reise geht", sagte Kohler in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Er forderte die Rückkehr zum alten Atom-Ausstiegsbeschluss. Die Dena gehört je zur Hälfte dem Bund und der Finanzwirtschaft. Dem Aufsichtsrat gehören unter anderem Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle als Vorsitzender und Umweltminister Norbert Röttgen an.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte nach dem Reaktorunglück in Japan am Montag die erst im vergangenen Jahr gegen heftigen Widerstand von Opposition und Umweltverbänden beschlossene Laufzeitverlängerung der AKW für drei Monate ausgesetzt. Am Dienstag kündigte sie an, die sieben ältesten Meiler vorerst stillzulegen. Betroffen sind Anlagen von E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall.
14:32 Der Motorradweltverband hat das Rennen zum MotoGP in Japan wegen der Folgen des Erdbebens und des Tsunamis vorläufig abgesagt. Eine Sprecherin gab bekannt, dass das Rennen verschoben werde. Eine volle Erklärung sollte folgen. Die Veranstaltung sollte ursprünglich am 24. April auf der Rennstrecke Motegi nördlich von Tokio stattfinden.
14:29 Der japanische Außenminister Takeaki Matsumoto hat die internationale Gemeinschaft angesichts der Katastrophe in seinem Land zur Besonnenheit aufgerufen. "Wir bitten die Länder, ruhig Blut zu bewahren", sagte Matsumoto in Paris. Er versicherte, dass seine Regierung alles tue, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. "Wir erstatten der Internationale Atomenergie-Behörde regelmäßig Bericht, und wir informieren die Medien und die Diplomaten vor Ort", sagte er. Matsumoto nahm in Paris am Treffen der G8-Außenminister teil, bei dem es in erster Linie um die internationale Antwort auf die Lage in Libyen ging.
14:28 Nach rund 35-jähriger Betriebsdauer wird der Atomreaktorblock Neckarwestheim I endgültig abgeschaltet. "Wir fahren unser Kernkraftwerk Neckarwestheim I ab", teilte der Versorger EnBW mit. Angesichts der von den Aufsichtsbehörden geforderten sicherheitstechnischen Nachrüstung lohne sich trotz der seit Inbetriebnahme investierten 900 Mio. Euro ein dauerhafter Betrieb nicht mehr.
14:20 Der DAX ist am Dienstag zeitweise um 5,6 Prozent abgesackt. Der Nikkei -Index der Tokioter Börse hat seit dem Beben gut 17 Prozent verloren - zusammengenommen ist das der größte Börseneinbruch seit 1987.
14:16 Feuchte Lappen ins Gesicht und häufig Kleidung wechseln: Experten geben in den japanischen Medien Tipps für den Fall einer radioaktiven Verstrahlung. Der Fernsehsender NHK riet seinen Zuschauern in gefährdeten Gebieten, möglichst in geschlossenen Räumen zu bleiben. Wer raus müsse, solle seine Haut bedecken und durch einen feuchten Lappen atmen. Fachleute warnten davor, Wasser aus der Leitung zu trinken, da ein hohes Strahlungsrisiko bestehe.
Gegen verstrahlte Partikel könne Schutzkleidung helfen, etwa wasserdichte Regensachen. Damit ließen sich die Strahlen zwar nicht abwehren, aber so werde zumindest verhindert, dass sich verseuchte Partikel auf der Haut absetzen. Auch häufiges Händewaschen helfe, hieß es bei NHK.