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Merken   Drucken   11.04.2011, 23:05 Schriftgröße: AAA

Chronik zur Katastrophe in Japan - Montag, 11. April 2011: Japan erwägt höchste Gefahrenstufe für Fukushima

Das Unglücks-AKW Fukushima I hat das Nachbeben ohne größeren Schaden überstanden. Dennoch könnte der Störfall so schwerwiegend werden wie der von Tschernobyl. Tepco-Chef Masataka Shimizu wagt sich ins Sperrgebiet. Die Ereignisse zum Nachlesen.
21:47 Der japanische Autobauer Toyota  rechnet wegen der Erdbebenkatastrophe in seinem Heimatland bis Juli mit Produktionsengpässen. Die Herstellung werde auf einem deutlich geringeren Niveau stattfinden, teilte US-Verkaufschef Bob Carter Händlern mit. Es bestehe die Möglichkeit, dass die Versorgung des amerikanischen Marktes mit neuen Autos im Sommer deutlich geringer ausfalle. Derzeit seien die Lager gut gefüllt, dies werde auf die Dauer so jedoch nicht bleiben.
19:25 Japan erwägt, die Gefahr des Atomstörfalls im Kraftwerk Fukushima auf die höchste Stufe anzuheben. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo ohne nähere Angaben zu machen. Nach der Katastrophe von Tschernobyl wurde eine Skala geschaffen, um die Öffentlichkeit einheitlich über die Schwere eines Atomunfalls zu informieren. Auf dieser siebenstufigen Ines-Skala (International Nuclear and Radiological Event Scale) bekam bisher nur der schwere Tschernobyl-Unfall die höchste Einstufung 7.
Bisher gilt für drei Meiler in Fukushima I die Ines-Stufe 5. Diese bedeutet nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS): Begrenzte Freisetzung von radioaktiven Stoffen und Einsatz einzelner Katastrophenschutzmaßnahmen. Stufe 7 bedeutet demnach: "Schwerste Freisetzung: Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt in einem weiten Umfeld."
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Stand der Informationen: 6. April 2011, 13 Uhr (MEZ)


17:22 Das Nachbeben in Japan hat mindestens ein Todesopfer gefordert. In der Stadt Iwaki in der Nähe des Epizentrums, stürzten drei Häuser zusammen. Drei Menschen konnten laut Polizeiangaben lebend aus den Trümmern geborgen werden, für ein 16-jähriges Mädchen kam jede Hilfe zu spät. Die Behörden gehen davon aus, dass möglicherweise noch bis zu sieben Menschen eingeschlossen sind.
17:05 Zum ersten Mal seit Beginn der Katastrophe reiste Tepco-Chef Masataka Shimizu in die Provinz Fukushima. Der Mann hatte sich zwei Tage nach Beginn der Katastrophe offiziell wegen Unwohlseins zur Behandlung zurückgezogen und war seitdem nicht mehr in der Öffentlichkeit erschienen. Nun wollte er sich vor Ort in Fukushima entschuldigen, jedoch nicht bei Begegnungen mit den Opfern, sondern bei der Provinzregierung. Deren Gouverneur ließ ihn jedoch abblitzen. Shimizu konnte lediglich der Sekretärin seine Visitenkarte hinterlassen. "Was will der hier?", wurde ein Beamter zitiert. Der Tepco-Chef solle lieber in Tokio bleiben und sich um den Katastropheneinsatz in seinem zerstörten Atomkraftwerk kümmern.
16:32 Einen Monat nach Beginn der Katastrophe in Japan startet für die Abi-Jahrgänge der Deutschen Schule nahe Tokio wieder der Unterricht - allerdings nicht in Japan sondern in Köln. 35 Jugendliche werden in einem Städtischen Gymnasium mit ihren ebenfalls geflüchteten Lehrern der Deutschen Schule Tokyo Yokohama (DSTY) unterrichtet.
Gut 90 Schüler und Kindergartenkinder sind im Großraum Tokio geblieben, die meisten anderen lernen nun vorübergehend in Deutschland. Alle waren unverletzt geblieben. Fast alle 35 Schüler des Abi-Jahrgangs sind erst in den vergangenen Tagen nach Köln eingeflogen und dort bis Anfang Juni im Gästehaus der Stadt untergebracht. Ende Mai sollen sie ihre Reifeprüfung machen.
Atomkatastrophe in Japan Angler-Floß soll verstrahltes Wasser tanken
15:26 Einen Monat nach der verheerenden Naturkatastrophe in Japan leben etwa 300.000 Menschen in Auffanglagern oder in Notunterkünften. Rund 150.000 Japaner hätten aufgrund des Erdbebens und des Tsunamis ihr Zuhause verloren, weitere 150.000 Einwohner hätten ihre Häuser aufgrund der angeordneten Evakuierungszone rund um das Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi verlassen müssen, sagte der japanische Botschafter in Berlin, Takahiro Shinyo. Japan müsse nun grundlegend erneuert werden.
15:13 In den kommenden zwei Tagen weht der Wind radioaktive Stoffe aus dem japanischen Unglückkraftwerk Fukushima wieder raus aufs offene Meer. Nach dem für Tokio ungünstigen Nordwind vom Montag wechselt die Windrichtung im Laufe des Dienstags auf West bis Südwest und bleibt am Mittwoch so, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Ein Hoch aus China ziehe über das Seegebiet südlich von Japan, dadurch bleibe es weitgehend niederschlagsfrei.
15:02 Der Sprecher der japanischen Atombehörde (Nisa), Hidehiko Nishiyama, sagte zum weiteren Vorgehen am havarierten AKW, es sei extrem schwierig, einen Zeitplan aufzustellen. Es sei "noch keine Situation, die man optimistisch sehen kann". "Wir sind jetzt in dem Dilemma, dass wir Wasser sehen, das einerseits eingefüllt wird, um die Reaktoren zu kühlen, und andererseits an anderer Stelle in der Anlage als kontaminierte Wassermengen wieder auftauchen", sagte Nishiyama.
14:53 Der japanische Botschafter in Deutschland, Takahiro Shinyo, geht Shinyo von umgerechnet 130 bis 220 Mrd. Euro aus, die der Wiederaufbau in Japan kosten könnte. Wie viel Minus die japanische Wirtschaft in diesem Jahr zu verkraften habe, sei noch nicht abzusehen. Allein bei den japanischen Fluggesellschaften sei die Zahl der Reisenden seit März um die Hälfte bis zu zwei Dritteln zurückgegangen. Zulieferungen in der Auto- und Mobilfunkbranche wolle Japan so schnell wie möglich wieder aufnehmen. Helfen würde dem Land auch ein Freihandelsabkommen mit der EU. Gespräche darüber erhofft sich Japan im Mai, sagte der Diplomat.
14:08 Tepco-Chef Masataka Shimizu hat die Region rund um das AKW-Fukushima besucht. Er war abgesehen von einer kurzen Entschuldigung für die Atomkatastrophe nicht öffentlich aufgetreten und hatte sich zeitweise in einer Klinik aufgehalten. "Ich möchte noch einmal meine tiefe Bitte um Verzeihung für das körperliche und seelische Leid der Menschen in der Präfektur Fukushima und in der Umgebung des AKW ausdrücken", sagte Shimizu.
13:44 Das Erdbeben in Japan hat die Lufthansa  im März gebremst. Wegen der Atomkatastrophe nach dem Erdbeben in Japan sind die Flüge der Lufthansa dorthin nicht mehr so gut gefüllt: Die Auslastung der Maschinen ging im März um 5,3 Prozentpunkte auf 73,5 Prozent zurück. Die Zahl der Fluggäste stieg im vergangenen Monat konzernweit lediglich um 0,5 Prozent auf 8,2 Mio., teilte Lufthansa mit.
13:26 Japans Botschafter in Berlin, Takahiro Shinyo, sieht sein Land vor gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen. "Wir müssen darüber nachdenken, was der beste Mix von Energiequellen ist", sagte Shinyo. Dabei ginge es auch um die Nutzung erneuerbarer Energien. Beim Wiederaufbau für Unterkünfte von rund 300.000 Menschen könne sich die Gestaltung von Städten, Kommunen und Wohnungen verändern. Möglich seien Öko-Städte. "Das ist ein Neubeginn japanischer Lebensweise", sagte der Botschafter.

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