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Merken   Drucken   07.11.2012, 22:06 Schriftgröße: AAA

Chronologie der US-Wahl 2012: +++Glückwünsche für Obama - Trübsal an der Wall Street+++

Am Tag danach bejubeln Obamas Anhänger die Wiederwahl des Präsidenten. Der bekommt aus aller Welt Glückwünsche - aus Frankreich allerdings einen verunglückten. Die Wall Street erinnert sich des US-Haushaltsdefizits. Ein Rückblick auf die US-Wahl.
© Bild: 2012 Reuters/JIM BOURG
Am Tag danach bejubeln Obamas Anhänger die Wiederwahl des Präsidenten. Der bekommt aus aller Welt Glückwünsche - aus Frankreich allerdings einen verunglückten. Die Wall Street erinnert sich des US-Haushaltsdefizits. Ein Rückblick auf die US-Wahl.
von unseren Korrespondenten

20:32 Uhr: Ob nun Präsident Barack Obama den US-Staat Florida für sich gewinnen konnte, oder der Wahlverlierer Mitt Romney, das stand auch am späten Mittwoch (Ortszeit) noch nicht fest. Nach Auszählung aller in Wahllokalen und per Briefwahl abgegebenen Stimmen lag der Wahlgewinner mit 49,86 Prozent der Stimmen hauchdünn vor dem Republikaner (49,29 Prozent). Noch nicht ausgezählt waren in den meisten Bezirken die sogenannten provisorischen Stimmen - das sind Stimmzettel, bei denen nachgeprüft wird, ob die betreffenden Bürger auch wirklich wahlberechtigt waren. Wann das Endergebnis feststeht, war unklar - doch es hat keine Auswirkung auf das Wahlergebnis insgesamt.

Lästereien über Hollande im Netz

20:20 Uhr: Im Internet wird über das Glückwunschschreiben von Frankreichs Staatschef François Hollande an US-Präsident Barack Obama gespottet. Der Franzose unterschrieb den eigentlich auf Französisch verfassten Brief handschriftlich mit den englischen Worten "friendly, François Hollande" und lag damit sprachlich daneben. "Friendly" ist im Englischen keine Grußfloskel, sondern nur ein Adjektiv, das "freundlich" bedeutet. Im Französischen hätte der Präsident vermutlich das Wort "amicalement" (deutsch: "herzliche Grüße" verwendet. Im Englischen hätte er etwa "warm regards" schreiben müssen.

Schon Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte sich einen ähnlichen Fehler geleistet. Sarkozy hatte im Regen zu US-Außenministerin Hillary Clinton gesagt "sorry for the time" (deutsch: "Entschuldigen Sie die Zeit". Er hatte dabei das französische Wort für Wetter (temps) falsch übersetzt. "Sorry for the weather" wäre richtig gewesen.

Wahlbeteiligung gesunken

20:12 Uhr Bei der US-Präsidentenwahl am Dienstag haben offenbar weniger Amerikaner abgestimmt als noch 2008. Nach vorläufigen Zahlen vom Mittwoch wurde die vor vier Jahren überschrittene 60-Prozent-Marke diesmal nicht erreicht. Endgültige Angaben zur Wahlbeteiligung lagen zunächst nicht vor, da auch am Mittwochnachmittag (Ortstzeit) noch nicht alle Stimmen ausgezählt waren. Nach Medienberichten könnte die Auszählung noch Wochen dauern.

Nach Angaben der Webseite statisticbrain.com waren diesmal 206 Millionen Amerikaner wahlberechtigt. Dem US-Sender CNN zufolge wurden für Mitt Romney und Barack Obama zusammen rund 117,5 Millionen Stimmen abgegeben. Danach läge die Wahlbeteiligung bei rund 57 Prozent. Dabei sind die Stimmen für Drittkandidaten oder ungültige Wahlzettel aber noch nicht mit eingerechnet.

US-Medien hatten bereits am Mittwoch eine Erklärung für die offenbar gesunkene Beteiligung parat: Bei der ersten Kandidatur Obamas sei die Euphorie über den ersten schwarzen Präsidenten vielerorts riesig gewesen. Nach vier Jahren im Amt sei auch Obamas Glanz durch den Alltag im Politikgeschäft etwas verblichen.

Sergey Brin macht sich für Parteiaustritte stark

20:01 Uhr "Ich muss gestehen, mir graut vor den heutigen Wahlen", beginnt Google-Gründer Sergey Brin den Eintrag auf seiner Google-Plus-Seite. Wovor graut es Russlands berühmtesten Startup-Export, der 1979 mit seinen Eltern in die USA flüchtete? Egal wer gewinne, "unsere Regierung wird weiterhin ein gigantisches Freudenfeuer der Parteilichkeit sein".

Google-Mitgründer Sergey Brin will eine kleine Revolution anzetteln   Google-Mitgründer Sergey Brin will eine kleine Revolution anzetteln

Brin ist nicht der einzige, der die hehren Sprüchen Mitt Romneys und seiner Parteigenossen zur angeblich neu gefundenen Überparteilichkeit beim Namen nennt. Keiner in den USA glaubt, dass nach der Wahl anders sein wird als vor der Wahl. "Es ist paradox, denn bei jedem Zusammentreffen mit unseren gewählten Amtsträgern sind sie stets bedachte, wohlmeinende Personen. Und dennoch scheinen 90 Prozent ihrer kollektiven Bemühungen darauf fokussiert zu sein, der anderen Partei eins auszuwischen", spottet Brin, der beim Suchmaschinenkonzern spezielle Projekte betreut.

Der 39-jährige Ex-Moskauer versucht per Google-Plus-Eintrag eine kleine Revolution anzuzetteln: "Mein Appell an die Gewinner, wer immer sie sein mögen: Scheidet aus euren Parteien aus und regiert im Geiste als Unabhängige. Das ist vermutlich den größten Beitrag, den ihr für dieses Land leisten könnt."

19:51 Uhr Jeffrey Sachs, Ökonom an der Columbia-Universität, gibt der FTD eine Einschätzung zur Lage: "Obama muss nun endlich die strukturellen Probleme angehen, das hat er in seiner ersten Amtszeit versäumt", sagt der Wirtschaftswissenschaftler. Nach der schmerzvollen Niederlage der Republikaner sei er jetzt mehr denn je als überparteiliche Führungspersönlichkeit gefragt.

19:12 Uhr Auch nach der Wahl bleibt im Kapitol alles, wie es ist: Die Republikaner kontrollieren das Repräsentantenhaus, die Demokraten haben die Mehrheit im Senat. Die vorläufigen Wahlergebnisse der US-Sender zeigen dem wiedergewählten Präsidenten Barack Obama deutlich auf: Er muss auch in seiner zweiten Amtszeit damit rechnen, dass seine Gesetzesvorhaben blockiert werden.

Der Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner, behauptete seinen Sitz. Der 62-Jährige hatte nach dem haushohen Sieg der Konservativen bei der Kongresswahl 2010 die Demokratin Nancy Pelosi in diesem Amt abgelöst.

Im 435-köpfigen Abgeordnetenhaus hatten die Demokraten nach den am Mittwochmittag (Ortszeit) vom TV-Sender CNN gemeldeten Ergebnissen 192 Sitze, die Republikaner 232. Die restlichen 11 Mandate waren zunächst noch offen.

Mehrheitsführer im Senat bleibt der Demokrat Harry Reid. Hier kamen die Demokraten nach vorläufigem Stand auf 52 Sitze, die Republikaner auf 45. Außerdem schafften es laut CNN zwei Unabhängige in die kleinere Kongresskammer. Ein Sitz war noch offen. Die Demokraten gewannen nach diesem vorläufigen Stand ein Mandat hinzu, die Republikaner verloren demnach zwei Sitze.

18:11 Uhr Die Freude über den klaren Wahlsieg Barack Obamas ist an den internationalen Finanzmärkten schnell verpufft. Nach anfänglichen Kursgewinnen schlossen die Märkte deutlich im Minus. Die Wall Street verbuchte ebenfalls Kursverluste - der Dow-Jones-Index verlor zuletzt nahezu 300 Punkte und damit mehr als zwei Prozent. "Der kleine Obama-Bonus ist aufgebraucht, jetzt geht es weiter wie vorher", sagte ein Händler. "Im Fokus stehen noch immer die Euro-Krise und das drohende Schuldendrama in den USA", ergänzte Michael Hewson, Analyst bei CMC Markets.

Der DAX , der zu Handelsbeginn noch knapp ein Prozent zugelegt hatte, ging zwei Prozent niedriger bei 7232 Punkten aus dem Handel. Der EuroStoxx50 verlor 2,2 Prozent. An den Rohstoffmärkten wurden die Preise für Kupfer und Öl mit deutlichen Abschlägen gehandelt.

Laut Ökonomen erschwert die politische Spaltung des Landes die dringend notwendigen politischen Entscheidungen vor allem in puncto Staatshaushalt. Hier müsse eine schnelle Einigung her, um die fiskalische Klippe zu umschiffen, damit das Land nicht wieder in die Rezession fällt. Sollten sich Demokraten und Republikaner nicht einigen, würden Anfang 2013 viele Steuererleichterungen auslaufen und Ausgabenkürzungen sowie massive Steuererhöhungen von rund 600 Mrd. Dollar automatisch in Kraft treten.

Das drohende Sparnotprogramm verschreckte Investoren, weltweit drehten die Aktienkurse ins Minus. "Die Wahl mag vorüber sein, aber zum Durchatmen ist es noch zu früh", sagte Barry Eichengreen, Ökonom von der Universität Berkeley, der FTD.

Höfliche Signale aus dem Iran

17:57 Uhr Iran hofft nach dem Wahlsieg von Präsident Barack Obama auf neue Entwicklungen im Konflikt mit den USA. "Die Herausforderungen für Obama vor seiner zweiten Amtszeit als Präsident werden hoffentlich zu positiven Auswirkungen und Entwicklungen führen", hieß es am Mittwoch in einem Kommentar der offiziellen Nachrichtenagentur Irna. Eine Reaktion der Regierung in Teheran auf die US-Wahl stand am Abend noch aus, doch Irna repräsentiert für gewöhnlich die Ansichten des Präsidialamts. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad war am Mittwoch auf dem Weg zu einer Konferenz in Indonesien.

17:35 Uhr In den USA gehen weniger Firmen pleite. Angesichts der Erholung der US-Wirtschaft fiel die Zahl der Insolvenzanmeldungen in den zwölf Monaten bis Ende September um 16 Prozent auf rund 42.000. Das teilten die zuständigen Gerichte am Mittwoch mit. Die Zahl aller Insolvenzen - also auch inklusive Privatpersonen - nahm um 14 Prozent auf 1,26 Millionen ab.

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16:41 Uhr Eine diplomatisch verpackte Spitze schickte die Arabische Liga nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse ans Weiße Haus. "Die Geschichte beweist, dass der US-Präsident in der zweiten Amtszeit eher in der Lage ist, schwierige Aufgaben und große Herausforderungen anzugehen", sagte Generalsekretär Nabil al-Arabi am Mittwoch in seinem Gratulationsschreiben an Barack Obama zu dessen Wiederwahl. Er drückte damit indirekt aus, was viele Araber denken: Der US-Präsident hat in der ersten Amtszeit versagt. Die Devise lautet nun: erst einmal abwarten.

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Vor vier Jahren hatte Obama sich mit einer visionären Rede an die islamische Welt gewandt. Bei einem international beachteten Auftritt in der ägyptischen Hauptstadt Kairo versprach er den "Neuanfang zwischen den Vereinigten Staaten und den Muslimen überall auf der Welt". Damals wurde er von den Ägyptern und vielen anderen Arabern euphorisch gefeiert - als Hoffnungsträger, der Frieden und Versöhnung bringt. Seitdem hat der Arabische Frühling die Region umgewälzt, viele Probleme mit sich gebracht und Obama entzaubert.

16:11 Uhr Papst Benedikt XVI. hat US-Präsident Barack Obama zur Wiederwahl gratuliert. Er bete um Gottes Hilfe, Obama in seiner höchsten Verantwortung den USA und der internationalen Gemeinschaft gegenüber beizustehen, so Benedikt. Die Ideale der Freiheit und Gerechtigkeit, die die Gründerväter der Vereinigten Staaten geleitet hätten, sollten weiterhin den Weg der Nation erhellen.

Zu den Erwartungen des Heiligen Stuhls sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi, Obama solle sich vor allem für den Respekt fundamentaler menschlicher und spiritueller Werte einsetzen und eine "Kultur des Lebens und der religiösen Freiheit" fördern. Wenn es um Themen wie Abtreibungen oder die Homo-Ehe geht, sind der Vatikan und der liberale Christ Obama oft verschiedener Meinung.

Live-Ticker, nächster Teil: Die US-Börsen starten schwach

  • FTD.de, 07.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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