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Merken   Drucken   10.10.2010, 20:51 Schriftgröße: AAA

CO2-Emissionen im Flugverkehr: Freiflug für Klimakiller bis 2020

Die Uno-Luftfahrtorganisation ICAO hat erstmals ein Klimaziel für eine ganze Industriebranche vereinbart. Kritiker halten die Vorgaben für viel zu lasch. von Reinhard Hönighaus  Brüssel
Nach 13-jährigen Verhandlungen verabschiedeten die 190 ICAO-Mitgliedsstaaten in der Nacht zu Samstag das rechtlich nicht bindende Ziel, bis 2013 einen Marktmechanismus zur Deckelung der Luftverkehrsemissionen zu entwickeln. Er soll von 2020 an greifen.
Keine Reduktionsvorgaben
Von ambitionierten Vorgaben bleibt die Luftfahrtbranche damit verschont. Statt zu sinken, soll der CO2-Ausstoß von Flugzeugen lediglich weltweit nicht mehr steigen - und auch dies erst in zehn Jahren.
Entscheidend für die Übereinkunft war das Einlenken der USA. Die Regelung bedeutet für US-Fluglinien keine zusätzliche Belastung, da ein Großteil der überalterten Flugzeugflotte ohnehin durch neue, spritsparende Modelle ersetzt werden muss. Zudem soll ein neues Flugleitsystem Effizienzgewinne bringen. Peter Liese, CDU-Umweltpolitiker im EU-Parlament, kritisierte die Vorgaben als zu lasch. Auch die Umsetzung sei fraglich.
"Kein anderer Industriesektor hat so einen weltweit abgestimmten Rahmen, um seine Antwort auf den Klimawandel zu organisieren", sagte dagegen Giovanni Bisignani, Chef des Airlineverbands IATA. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sprach von einem "wirklichen Durchbruch". Gemischter fiel die Reaktion von Klimakommissarin Connie Hedegaard aus: "Das ist nicht so ambitioniert, wie es aus Sicht Europas nötig wäre." Sie lobte aber, dass auch die Schwellenländer sich an der Stabilisierung der Emissionen beteiligen wollten.
Klimavertrag nicht in Sicht
Der Luftverkehr ist für drei Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes verantwortlich, mit rasant steigender Tendenz. Beim Klimagipfel in Kopenhagen 2009 hatte die EU noch einen verbindlichen Abbau dieser Emissionen um zehn Prozent bis 2020 gefordert.
Ein Weltklimavertrag scheint jedoch ferner denn je: Das letzte Vorbereitungstreffen für den nächsten Uno-Klimagipfel in Mexiko im Dezember endete am Wochenende im chinesischen Tianjin ohne große Fortschritte.
Die ICAO-Resolution erkennt an, dass die EU mit dem bereits beschlossenen Emissionshandel für den Luftverkehr vorpreschen kann. Die US-Delegation gab ihren Widerstand auf. Bedenken meldete China an, hieß es in EU-Kreisen. Auch Fluglinien aus Drittstaaten müssen ab 2012 für Flüge von und nach Europa Emissionsrechte erwerben, sonst droht im Extremfall ein Einflugverbot. Ausnahmen soll es für Airlines aus Entwicklungsländern geben, die Europa nur selten ansteuern.
  • Aus der FTD vom 11.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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