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Merken   Drucken   26.02.2003, 22:12 Schriftgröße: AAA

Daniel Libeskind läutet gläserne Zukunft für New York ein

Daniel Libeskind wird das neue World Trade Center bauen. Der in Berlin lebende Architekt, der auch das Jüdische Museum in Berlin entwarf, gewann den Wettbewerb um das Design von Ground Zero in New York. Sein Projekt "Gardens of the World" beinhaltet gläserne Türme - die höchsten der Welt. von Eva Schweitzer
Wie der Prototyp eines deutschen Intellektuellen wirkt er in New York: Daniel Libeskind mit seiner schwarzen Lederjacke und den auffälligen Augengläsern ähnele "Sprockets", einem deutschen (fiktionalen) Charakter der Comedysendung "Saturday Night Life", befand die "New York Times". Der introvertierte Künstler, der immer ein bisschen so wirkt, als fürchte er, herumgeschubst zu werden, hat sich zu einer architektonischen Pop-Ikone entwickelt. Er trat bei CNN und CBS auf, das "Rolling Stone Magazine" befragte ihn zu Stil und Geschmack. Nun gewann er den Wettbewerb für das neue World Trade Center, mit einer ähnlichen Art von Trauerarchitektur, die sein Jüdisches Museum in Berlin und sein Imperial War Museum in London auszeichnen.
Der 52-Jährige lebt seit 14 Jahren in Berlin, aber so richtig deutsch hat der Sohn polnischer Juden, die den Holocaust überlebten und 1952 nach Israel auswanderten, dort nicht gelernt. Genauso wenig ist er aber den Akzent in seinem Englisch losgeworden, sodass die New Yorker Journalisten nicht richtig wissen, wen sie vor sich haben.
Zerwürfnis mit Berliner Baubehörden
Er selbst sieht sich als New Yorker. "Ich weiß noch, wie ich als Kind im Hafen angekommen bin, mit dem Schiff, und die Freiheitsstatue gesehen habe", sagt er. "Da wusste ich: Ich bin gerettet." Die Freiheitsstatue spiegelt sich auch in seinem grünen Turm für das World Trade Center wider. Dazu sollen die Strahlen der Sonne jedes Jahr am 11. September den Umriss der Türme nachzeichnen. Eigentlich wollte Libeskind Pianist werden, er gab sogar Konzerte. Noch im vergangenen Jahr inszenierte er an der Deutschen Oper in Berlin "Saint Francois d’Assise", ein Epos von Olivier Messiaen.
Inzwischen aber hatte er längst zur Architektur übergewechselt, zunächst als Theoretiker. Das Jüdische Museum in Berlin war sein erster großer Auftrag. Danach wurde er zwar zu weiteren städtebaulichen Wettbewerben eingeladen, darunter der für den Alexanderplatz. Einen Auftrag bekam er allerdings nicht mehr, was zu einem Zerwürfnis mit den Berliner Baubehörden führte.
Schwierig, zerrissen, schmerzhaft
Seine Architektur ist schwierig, zerrissen, schmerzhaft. Sie gilt als geeignet für ein Jüdisches Museum, das den Holocaust thematisiert. Oder für das Imperial War Museum, das er als zerborstenen Globus darstellt. Sein Entwurf für ein Holocaust-Memorial in Berlin war den Juroren zu dramatisch.
Nun ist das neue World Trade Center nicht gerade ein normales Bürohochhaus. Als aber Libeskind seine Antwort auf die beschädigte, verletzte deutsche Stadt nach New York zu exportieren versuchte, meldeten sich Kritiker. Sie hatten Angst, Libeskind würde Ground Zero in ein riesengroßes, permanentes Grab verwandeln.
Herbert Muschamp, der Architekturkritiker der "New York Times" sah darin den "künstlerischen Ausdruck eines feindlichen Angriffs", ein geradezu Orwellianisches Statement. Ob die New Yorker Libeskinds Entwurf belassen oder noch verhübschen wollen, wird man sehen.
  • FTD, 26.02.2003
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