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Merken   Drucken   17.04.2007, 16:38 Schriftgröße: AAA

Das Erbe des Wilden Westens  

Das Muster ist bekannt: Ein Amokläufer, gut versorgt mit Handfeuerwaffen, tötet Dutzende. Eine Diskussion über eine Einschränkung der laxen US-Waffengesetze beginnt. Und wird schnellstens wieder beerdigt. Zu sehr ist die Waffe in Amerika zum Kulturgut geworden. von Stephan Zimprich (Hamburg)
Leicht zu haben: In den USA kann jeder Bürger Waffen kaufen   Leicht zu haben: In den USA kann jeder Bürger Waffen kaufen
"Gewehre töten keine Menschen. Menschen töten Menschen", lautet der Standardsatz der Waffenlobby. Das Recht auf Waffenbesitz ist in den USA, vor allem im Süden, heilig. Wer in der Politik etwas werden will, hütet sich davor, sich für allzu restriktive Waffengesetze stark zu machen. Vor allem bei den Republikanern hat nur eine Chance auf höhere Weihen, wer sich mit den einflussreichen Lobbyisten von der National Rifle Association (NRA) gut stellt. Die hat mit ihren 4,2 Millionen Mitgliedern und über 10.000 Mitgliedsorganisationen nicht nur politisches Gewicht, sondern unterstützt wohl gesonnene Kandidaten auch mit großzügigen Wahlkampfspenden.
Auch US-Präsident George W. Bush konnte sich im Jahr 2000 auf die finanzielle und organisatorische Unterstützung der Lobby verlassen. Nur wenige Stunden nach dem Amoklauf zahlte er am Dienstag zurück: "Der Präsident glaubt, dass Menschen ein Recht haben, Waffen zu tragen, aber dass alle Gesetze befolgt werden müssen", ließ Bush seine Sprecherin Dana Perino ausrichten. Auch der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain bemüßigte sich, die Waffen aus der Schusslinie zu nehmen: Der Vorfall müsse zwar genau untersucht werden, er ändere aber nicht seine Einstellung zum privaten Waffenbesitz: "Wir müssen sicherstellen, dass diese Art von Waffen nicht in die Hände böser Menschen fällt." Es sind die Menschen, nicht die Gewehre.
Ein Waffe pro Einwohner
Bush und McCain sind nicht Anwälte einer Minderheit: Zwischen 238 und 276 Millionen Handfeuerwaffen gibt es schätzungsweise zwischen New York und Los Angeles, davon sind mehr als 200 Millionen in Privatbesitz. Jeder dritte US-Bürger hat eine oder mehrere Schusswaffen im Haus, im Schnitt kommt nahezu eine Waffe auf einen Einwohner. Mehr als 300 im Land ansässige Unternehmen produzieren Waffen oder Munition. Was dem Deutschen sein Auto, ist dem Amerikaner sein Colt - und genauso vehement, wie hierzulande gegen ein Tempolimit argumentiert wird, legt sich die US-Waffenlobby für das Recht, eine Waffe zu tragen, ins Zeug - trotz jährlich 30.000 Menschen, die durch Handfeuerwaffen sterben.

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