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Weltwirtschaftsforum Davos 2008
  FTD-Serie: Zusammenrücken auf dem Gipfel

Gemeinsam sind wir stark - diesen Geist wollen die Veranstalter des Weltwirtschaftsforums versprühen. Sie haben das Treffen von Top-Managern, Politikern, Künstlern und Intellektuellen im schweizerischen Skiort Davos unter das Motto "Die Kraft gemeinschaftlicher Innovationen" gestellt. Für Diskussionsstoff werden auch die Auswirkungen der US-Finanzkrise sorgen.

Merken   Drucken   21.01.2008, 16:57 Schriftgröße: AAA

Davos 2008: Staatsfonds gehen auf Tuchfühlung

Wenn sich die Crème de la crème aus Politik und Wirtschaft in Davos versammelt, werden sich dieses Mal auch Vertreter staatlicher Investmentfonds darunter mischen. Eine delikate Situation - denn für die einen sind die spendablen Geldgeber die Rettung in der Not, für andere eine Gefahr der Wirtschaftsstabilität.
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos werden Unternehmensführer die Gelegenheit nutzen, sich mit Managern der führenden Staatsfonds auszutauschen. Am Donnerstag reden Größen der Branche in dem Schweizer Wintersportort: etwa Bader al-Saad, der die Kuwait Investment Authority leitet, und der Vizegouverneur der saudi-arabischen Zentralbank, Muhammad al-Dschasser. Russlands Finanzminister Alexej Kudrin, seine norwegische Kollegin Kristin Halvorsen und der stellvertretende Finanzminister der USA, Robert Kimmitt, sind ebenfalls als Redner vorgesehen.
Bilderserie Bilderserie: Die größten Deals der Staatsfonds
Speziell in den vergangenen Monaten sind die vor allem aus Schwellenländern stammenden staatlichen Fonds ins öffentliche Bewusstsein gerückt. 60 Mrd. $ pumpten sie innerhalb weniger Monate in die Banken, die von der Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt kalt erwischt wurden. Allein vergangene Woche flossen 20 Mrd. $ an Citigroup  und Merrill Lynch .
"Die Schwellenländer machen inzwischen einen größeren Wirtschaftsblock aus als die Vereinigten Staaten", sagt Portfolio-Manager Filip Weintraub von Skagen Global in Norwegen. "Diese Länder leisten den reichsten Staaten der Welt Erste Hilfe." Mittlerweile seien die Schwellenländer bereit, für höhere Renditen ein Risiko einzugehen, so Weintraub weiter. "Der Westen steht damit vor einem Dilemma - sie benötigen das Geld, wollen aber nicht die Kontrolle abgeben. Man sollte einen so wichtigen Teil seiner Infrastruktur nicht verkaufen."
Die staatlichen Investmentfonds verwalten insgesamt über 2000 Mrd. $. Auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten verändern sie schon jetzt die Weltmärkte, dabei stehen sie erst am Anfang. Experten prognostizieren einen Anstieg des Vermögens auf 12.000 Mrd. $ bis zum Jahr 2015. Das entspräche fast zehn Prozent aller Finanzmittel weltweit.
Das rasante Wachstum und die häufig undurchsichtigen Absichten der Fonds lassen jedoch in vielen Industrienationen die Alarmanlagen klingeln. Politiker äußern die Sorge, dass die staatlichen Investmentfonds eher politische als wirtschaftliche Ziele verfolgen und ihre Finger nach Firmen ausstrecken könnten, die für die nationale Sicherheit wichtig sind.
"Es wird in Davos viel über staatliche Investmentfonds debattiert werden", sagt Mark Spelman, Strategievorstand beim Unternehmensberater Accenture. "Die EU und die USA kooperieren bereits, um Transparenz zu gewährleisten." Im Westen herrsche die Sorge, dass die Chancengleichheit verloren gehen könnte, so Spelman. Andere Beobachter gehen davon aus, dass die Staatsfonds längerfristiger investieren als Hedge-Fonds oder Beteiligungsgesellschaften und sie Umschwünge zudem besser wegstecken. Damit seien sie als Liquiditätsquelle und Stabilisator der Märkte zu begrüßen.
"Staatsfonds verbessern die Marktliquidität, speziell auf eine Art und Weise, die nicht wie andere kurzfristige Kapitalströme herdenhaft abläuft. Unter diesem Aspekt sollten die Staatsfonds für die Märkte im allgemeinen ein positiver Faktor sein", urteilt Stephen Jen, bei der Investmentbank Morgan Stanley Leiter der Aktienanalyse.
Die relativ jungen, gut betuchten aber wenig erfahrenen Staatsfonds bieten den Anlegern zudem lukrative Möglichkeiten. Morgan Stanley schätzt, dass die staatlichen Investmentfonds etwa 20 Prozent ihrer Vermögenswerte an externe Investoren auslagern werden und in den kommenden fünf Jahren bis zu 200 Mrd. $ anlegen.
Für die Manager der staatlichen Investmentfonds ist das Weltwirtschaftsforum ideal für Rekrutierungsaufgaben. Weltweit sind sie auf der Suche nach Talenten, die ihnen helfen, ihre Milliarden möglichst gewinnbringend anzulegen. Und der Druck, gute Renditen abzuliefern, ist enorm. Lou Jiwei beispielsweise leitet den neuen, 200 Mrd. $ schweren chinesischen Staatsfonds. Er klagt, er müsse jeden Tag 300 Mio. Yuan (28,6 Mio. Euro) verdienen, allein um die Kosten der Anleihen abzudecken, die seine Agentur finanzieren.
"Wir sind Staatsbedienstete, und für uns ist es schwierig, die Löhne zu zahlen, die Fondsmanager in der Privatwirtschaft erhalten, oder ein attraktives Gehaltspaket zu bieten", sagt ein ranghoher Vertreter einer asiatischen Zentralbank. Sein Land hat noch keinen staatlichen Investmentfonds aufgelegt. "Für uns wäre es schwierig, die richtigen Leute zu bekommen."
Reuters, FTD
02:32:45 Kursinformationen und Charts
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Citigroup 26,47 USD   -0,71%  -0.19
  • FTD.de, 21.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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