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Weltwirtschaftsforum Davos 2008
  FTD-Serie: Zusammenrücken auf dem Gipfel

Gemeinsam sind wir stark - diesen Geist wollen die Veranstalter des Weltwirtschaftsforums versprühen. Sie haben das Treffen von Top-Managern, Politikern, Künstlern und Intellektuellen im schweizerischen Skiort Davos unter das Motto "Die Kraft gemeinschaftlicher Innovationen" gestellt. Für Diskussionsstoff werden auch die Auswirkungen der US-Finanzkrise sorgen.

Merken   Drucken   23.01.2008, 10:59 Schriftgröße: AAA

Davos 2008: Sternstunden in Davos

Mehr als nur Ski fahren und Hüttenzauber: Alljährlich putzt sich der Schweizer Skiort Davos für die Mächtigen aus Wirtschaft und Politik heraus. Bei dem Weltwirtschaftsgipfel werden globale Probleme besprochen. Kritiker behaupten es gäbe dort nur Schönwetterdebatten – FTD Online zeigt, was bislang wirklich dabei rumkam. von Alexandra Sillgitt
Der Deutsche Klaus Schwab gründete 1971 die European Management Conference, eine private Stiftung mit Sitz in Genf. 1987 in Weltwirtschaftsforum (WEF) umbenannt, organisiert sie jedes Jahr im Januar eine Tagung in Davos. Wirtschaftsführer, Politiker und Persönlichkeiten aus der Gesellschaft diskutieren in dem Schweizer Skiort über aktuelle Themen. Entscheidungen werden zwar nicht getroffen - aber vorbereitet.
In den vergangenen Jahren mutierte das Treffen immer mehr zu einem weltweiten Medienereignis, das Stars wie Sharon Stone oder Bono als Plattform nutzten. Für 2008 haben nur wenige Prominente ihr Kommen angekündigt. Damit dürfte der Börsencrash ganz im Mittelpunkt der Davoser Debatten stehen.
Das Treffen in Davos gewinnt kontinuierlich an Bedeutung. Der "Global Competitiveness Report" wird zum ersten Mal publiziert. Darin bewertet das WEF die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften auf der Basis von Befragungen. Dafür untersucht es Faktoren wie Institutionen, Infrastruktur, makroökonomische Stabilität und Ausbildung.
Die Ministerpräsidenten von Griechenland und der Türkei unterzeichnen die "Davos Declaration". Der griechische Premier, Andreas Georgiou Papandreou, und der türkische Regierungschef, Turgut Özal, leiten damit den lang ersehnten Friedensprozess zwischen ihren Ländern ein.
Nord- und Südkorea halten in Davos ihr erstes Ministertreffen ab. Der deutsche Kanzler Helmut Kohl und DDR-Ministerpräsident Hans Modrow führen Gespräche zur Wiedervereinigung Deutschlands.
Der Südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk, Nelson Mandela und Zulu-Anführer Mangosuthu Buthelezi treffen zum ersten Mal zusammen. Dies ist ein Schlüsselmoment in der Geschichte Südafrikas und der Übergangsphase von der Apartheid zur rechtlichen Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung.
Ein historischer Moment: Der israelische Außenminister Shimon Peres und PLO-Führer Yassir Arafat betreten die Bühne des Weltwirtschaftsforums Hand-in-Hand. Im Skiort einigen sie sich darauf, dass der Gazastreifen und Teile des Westjordanlandes der Verwaltung durch die Palästinensische Autonomiebehörde übergeben werden soll.
Uno-Generalsekretär Kofi Annan stellt in Davos den "Global Compact" vor. Der wird zwischen Unternehmen und Uno geschlossen, um die Globalisierung sozialer und ökologischer zu gestalten. "Wir müssen uns entscheiden: zwischen einem Weltmarkt, der allein von Kalkulationen und kurzfristigem Profit gesteuert ist, und einem Weltmarkt mit einem menschlichen Gesicht", sagte Annan.
Microsoft-Gründer Bill Gates  verspricht dem Kampf gegen die Ausbreitung von Aids in Afrika 100 Mio. $ bereitzustellen. Die Spende läuft über die "Bill und Melinda Gates Foundation", der größten Privat-Stiftung der Welt.
Das "Disaster Resource Network" wird vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein weltweites Netzwerk von Unternehmen, das sich für die Unterstützung humanitärer Organisationen einsetzt. Es stellt nach Katastrophen unterschiedliche Ressourcen kostenlos zur Verfügung.
Mit einem Spendenaufruf während einer Diskussionsrunde sammelt die US-Schauspielerin Sharon Stone 1 Mio. $ für den Kampf gegen Malaria und Aids. Sie selbst macht den Anfang: "Ich bin Sharon Stone und will hier und heute 10.000 $ spenden." Sie reagiert damit auf die Forderung des Präsidenten von Tansania, Benjamin William Mkapa, sein Land bei der Armutsbekämpfung zu unterstützen.
U2-Sänger Bono stellt in Davos das Produkt-Sortiment "Red" vor, bei dem ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf an den Global Fund zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose fließt. Der Fokus der Politik- und Wirtschaftsgrößen liegt auf dem Aufstieg Chinas und Indiens in der Weltwirtschaft. Außerdem wird Irans Programm zur Urananreicherung diskutiert und der Streit zwischen Russland und der Ukraine über Gaslieferungen.
Mehr als 2000 Geschäftsleute und Politiker besuchen das WEF, darunter allein 24 Staatsoberhäupter wie die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der britische Premier Tony Blair. Hauptthemen sind Private Equity, Hedgefonds und die Umwelt. Es zeichnet sich ab, dass ein weltweites System des Emissionshandels einer CO2-Besteuerung und regionalen Lösungen vorgezogen wird. Alcan , Shell , JP Morgan  und Swiss Re  gründen den "Climate Disclosure Standards Board". Diese Organisation soll Richtlinien entwerfen, nach denen Unternehmen ihre Bilanzen um das Klimathema erweitern können. Ziel soll sein, dass Analysten Firmen auch unter diesem Blickwinkel einschätzen können. Aus Davos kommen außerdem leise Friedenssignale: Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas bekräftigt seine Bereitschaft, "umgehend ernsthafte Friedensverhandlungen mit Israel zu starten". Die israelische Außenministerin Tzipi Livni reagiert darauf verhalten.
  • FTD.de, 23.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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