"Ich hoffe, das wird keine reine Glamour-Veranstaltung", sagt der indische Milliardär Vikas Oberoi über das Weltwirtschaftsforum in Davos. Die in der Schweiz versammelten Geschäftsleute und Politiker müssten sich mit der wachsenden Kritik an den Schattenseiten des Kapitalismus auseinandersetzen: "Viele von denen, die in Davos zusammenkommen, werden für die soziale Ungleichheit verantwortlich gemacht", sagte der 42-Jährige, der zum ersten Mal zum Weltwirtschaftsforum anreist, vorab der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Sozialer Unfrieden könnte "Chaos und Aufruhr verursachen"
Die weltweiten Proteste der Occupy-Bewegung, aber auch die aus Brotunruhen entstandene Arabische Revolution haben offenbar auch bei anderen Teilnehmern einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie hätten gezeigt, dass die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich nicht länger ignoriert werden dürfe, meint Azim Premji, Chef der indischen Softwarefirma Premji. "Wenn wir dieses Problem nicht anpacken, könnte es weltweit Chaos und Aufruhr verursachen."
Premji gehört zu den Unternehmern, die sich privat im Kampf gegen Armut engagieren: Ende 2010 übertrug er Aktien im Wert von 2 Mrd. Dollar an eine Stiftung, die sich um die Ausbildung von Kindern aus einkommensschwachen Familien bemüht. Dass die ungleiche Verteilung des Wohlstands auch Profiteuren des Systems Bauchschmerzen bereitet, macht auch die Forderung des US-Milliardärs Warren Buffett nach einer Reichensteuer deutlich. Es könne nicht sein, dass er einen niedrigeren Steuersatz zahle als seine Sekretärin, kritisierte der Star-Investor im vergangenen Jahr.
Im Konferenzprogramm für Davos spielen Gerechtigkeitsfragen eine Nebenrolle. Die US-Zeitschrift "Time" organisiert in Zusammenarbeit mit den Veranstaltern eine Podiumsdiskussion zur Zukunft des Kapitalismus. Auch in der Debatte über globale Risiken dürfte das Thema zur Sprache kommen - denn laut einem zu Monatsbeginn vom Weltwirtschaftsforum veröffentlichten Bericht ist die ungleiche Einkommensverteilung das größte Problem des gesamten Jahrzehnts.