Diese Maßnahmen hatten zur Folge, dass viele Migranten erfolgreich integriert wurden. Doch einige Trends machen eine neue und bessere Herangehensweise erforderlich: Einwanderer, die sichtbar eine Minderheit darstellen, leben öfter in Armut. Hinzu kommt, dass viele Migranten es inzwischen als einfacher empfinden, sich ausschließlich innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft zu bewegen, als Integration und Interaktion mit anderen zu suchen. Eine erfolgreiche Integration bedeutet nicht, dass wir einander automatisch mögen. Bunter gemischte Gesellschaften sind, zumindest kurzfristig, im Allgemeinen Gesellschaften mit niedrigeren Formen der sozialen Solidarität und des sozialen Kapitals. Und Kanada mag zwar voller Stolz anderen Menschen seine Türen öffnen, doch wirkliche Macht, Einfluss und Prestige liegen weiterhin in den Händen einiger weniger. Folglich bleibt der Reichtum neuer Ideen und Netzwerke ungenutzt.
Einbindung ist daher unsere neue Herausforderung - eine, die viele andere Länder, auch Deutschland, teilen. Wir müssen eine Gemeinschaft schaffen, in der Unterschiede zwischen Menschen als normal erachtet werden, nicht als abnormal. Eine Gemeinschaft, in der diese Unterschiede als Gewinn, nicht als Belastung geschätzt werden, in der sie bewusst als Stärke gesucht und nicht auf eine Weise umgangen werden, durch die die Schwächsten ausgeschlossen werden.
Einbindung ist nicht dasselbe wie Integration, auch wenn beide Konzepte untrennbar miteinander verbunden sind. Ziel von Integration ist es zu gewährleisten, dass der Migrant eingegliedert ist, die Sprache spricht, das Gesetz befolgt, arbeitet, Steuern zahlt und zur Wahl geht. Einbindung geht noch einen Schritt weiter: Der Einwanderer ist aktiver Partner bei der Gestaltung und der Veränderung von Institutionen und Gesellschaft. Bei der Integration geht es darum, einen Anfang zu machen und sich einzuleben. Bei der Einbindung geht es darum, sich in die Gesellschaft einzubringen. Während die Integration dem Migranten viel abverlangt, verlangt Einbindung von der Gesellschaft des Gastgeberlandes, sich zu verändern.
In vielen Teilen der Industrieländer wird die demografische Entwicklung die Prioritäten diktieren. Es gibt nüchterne wirtschaftliche und gesellschaftliche Gründe dafür, Eingliederung und Einbindung voranzutreiben. Wir müssen uns auf die Orte konzentrieren, wo die Einbindung am wichtigsten ist - bei der Arbeit, in der Chefetage, in den Medien, im politischen und gesellschaftlichen Leben. Einbindung garantiert Chancengleichheit, Zugehörigkeit und Engagement.